Der lange Weg IV- Gezeiten
Mein Engagement im „Holliwood“
entwickelte sich zunehmend negativ.
Karel verkaufte bereits im November
auch den zweiten Club, und da er mir
meinen Anteil nicht auszahlen konnte
(oder wollte?), wurde meine
Teilhaberschaft kurzerhand mit
verkauft und ich und meine Dienste
weitergereicht. Was mir nur recht war,
wollte ich doch dieses angenehme
Leben fortsetzen.
Der neue Haupteigentümer, Lothar
Heilmeier, beteuerte zuerst, alles so
belassen zu wollen und die Führung
des Lokals in die erfolgreichen
Hände von Ernie und mir legen zu
wollen. Aber schon nach kurzer Zeit
mischte er sich immer mehr in die
Betriebsführung ein.
Schlimmer noch, er trennte sich von
DJ-Ernie um einen seiner Kumpels,
Herbert Schmuck (den er im Gefängnis
kennengelernt hatte) diesen Job
zuzuschanzen. Na gut, ich hatte keine
Vorurteile gegen Haftinsassen, aber
als Empfehlung konnte ich diese Vita
auch nicht gerade betrachten.
(Lauf Forrest, lauf!)
Es dauerte nicht lange und Ernie
verschwand spurlos aus München –
Neue Freundin & neuer Job – und
auch aus meinem Leben. Für mich
schade – fürs „Hollywood“
der Anfang vom Ende.
Nicht, dass Herbert wirklich schlecht
aufgelegt hätte. Nachdem ich
mittlerweile viele DJ-s und ihre
Arbeit kannte und auch selbst viele
male vor den Plattentellern gestanden
hatte, wage ich diese Beurteilung.
Aber er war eben kein Ernie – ihm
fehlte einfach dessen Charisma und
dieses schwer zu beschreibende
Peace of Esprit & Eloquenz.
Zudem war Herbert in München
kein Unbekannter.
Er bewegte sich in Zuhälter-Kreisen,
hatte selbst ein „Mädchen laufen“,
die Toni. Deshalb auch die Knast-
bekanntschaft mit Lothar.
Seit seinem 12. Lebensjahr trainierte
er. Er war im Boxsport aktiv und als
Jugendlicher verbuchte er dabei auch
ein paar Siege in regionalen Meister-
schaften. In die Münchner Annalen
war er als der „Maratonga-Schläger“
eingegangen.
Laut seiner Beschreibung war das
Ereignis, das ihm bereits im Alter von
gerade mal neunzehn Jahren diese
zweifelhafte Berühmtheit eingetragen
hatte folgendermaßen abgelaufen:
Nach einem Besuch im Tanzclub
„Maratonga“, München Haidhausen,
waren ihm und zwei Freunden einige
Türken (seiner Aussage nach 7 „Kanaken“)
gefolgt. Die beiden Personengruppen
hatten bereits im Lokal lautstark
unterschiedliche Auffassungen über
das Recht türkisch-stämmiger
Mitbürger, sich an deutsche Frauen
heranmachen zu dürfen, geäußert.
Die Türken, die zum Teil Messer
gezogen hatten (laut Herberts Erzählung)
und offensichtlich der Auffassung
waren 7 gegen 3 wäre ausreichend,
wurden durch die Tatsache, dass sie
es mit 3 Kampfsportlern zu tun hatten
überrascht. Nach einer kurzen aber
lehrreichen Demonstration
überlegener Kampftechnik und dem
Einsatz kurzzeitig „entliehener“
Zaunlatten, blieben mehrere der
„Kanaken“ blutend auf der Straße
liegen, während der Rest die Flucht
antrat.
Einer von Herberts Gegnern flüchtete
nicht. Er stand nie wieder auf. Er war
tot. Selbstverteidigung? Pech?
(Diese klassische Heldenerzählung ist
vermutlich ebenso wahr, wie das
Nibelungenlied)
Herbert erhielt eine Jugendstrafe,
weil vor dem Gesetz die Faust eines
trainierten Kampfsportlers als Waffe
gewertet wird und der akute
Selbstverteidigungs-Modus vor
Gericht nicht hinreichend
bewiesen werden konnte.
(die Türken hatten nämlich ihre Messer
nicht in die Gerichtsverhandlung
mitgebracht und stritten deren Besitz
vehement ab) .
Die Sache ging groß durch die Presse.
Herbert gelangte, getragen durch die
heftig geäußerten, kontroversen
Auffassungen in der Kultur der
Münchner Stammtische und anderer
wichtiger, meinungsbildender
Institutionen eine ganze Weile lang,
zu lokaler Proleten-Prominenz.
Und jetzt, 6 Jahre später, stand er als
DJ im „Hollywood“. Es dauerte nicht
lange, und unser Publikum,
überwiegend Stammgäste, erfuhren
diese Geschichte, gepaart mit
fantasievollen Ausschmückungen
und anderen Gerüchten. Es
verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Als dann auch noch hin und wieder
ein paar von Herberts Freunden aus
der Zuhälter-und Bodybuilder-Szene
bei uns auftauchten, war die
Verunsicherung groß. Sogar die
Platzhirsche der Giesinger Rowdies,
die sich bisher für schlimm gehalten
hatten, mussten plötzlich einsehen,
dass sie so schlimm nun doch nicht
waren. Frustration? Angst? Man
fühlte sich nicht mehr wohl! Die
Publikumsfrequenz sank rapide.
Die Massendynamik -(„Da ist nix mehr
los, dann geh ma halt jetzt woanders hin!“)
kam bald noch erschwerend mit dazu.
Alle Versuche, „das sinkende Schiff“
zu retten waren vergebens.
Von Ernies Abgang an ging es ständig
bergab und im Jahresverlauf war der
Laden (und ich) so gut wie pleite.
„Gott hat einen harten linken Haken“
Treffende Aussage von Peter Fox.
Für den Moment war ich wieder
einmal gefangen in einem selbst
gebauten Käfig widriger Umstände.
Also, Zähne zusammenbeißen!
„Zurück auf Los“ Jobben wie zwei
Jahre zuvor. Spielball der Gezeiten.
Wenigstens genoss ich so die Freiheit
wieder in meine Band einsteigen -
und Zeit genug um alle Probetermine
wahrnehmen zu können.
Emil
entwickelte sich zunehmend negativ.
Karel verkaufte bereits im November
auch den zweiten Club, und da er mir
meinen Anteil nicht auszahlen konnte
(oder wollte?), wurde meine
Teilhaberschaft kurzerhand mit
verkauft und ich und meine Dienste
weitergereicht. Was mir nur recht war,
wollte ich doch dieses angenehme
Leben fortsetzen.
Der neue Haupteigentümer, Lothar
Heilmeier, beteuerte zuerst, alles so
belassen zu wollen und die Führung
des Lokals in die erfolgreichen
Hände von Ernie und mir legen zu
wollen. Aber schon nach kurzer Zeit
mischte er sich immer mehr in die
Betriebsführung ein.
Schlimmer noch, er trennte sich von
DJ-Ernie um einen seiner Kumpels,
Herbert Schmuck (den er im Gefängnis
kennengelernt hatte) diesen Job
zuzuschanzen. Na gut, ich hatte keine
Vorurteile gegen Haftinsassen, aber
als Empfehlung konnte ich diese Vita
auch nicht gerade betrachten.
(Lauf Forrest, lauf!)
Es dauerte nicht lange und Ernie
verschwand spurlos aus München –
Neue Freundin & neuer Job – und
auch aus meinem Leben. Für mich
schade – fürs „Hollywood“
der Anfang vom Ende.
Nicht, dass Herbert wirklich schlecht
aufgelegt hätte. Nachdem ich
mittlerweile viele DJ-s und ihre
Arbeit kannte und auch selbst viele
male vor den Plattentellern gestanden
hatte, wage ich diese Beurteilung.
Aber er war eben kein Ernie – ihm
fehlte einfach dessen Charisma und
dieses schwer zu beschreibende
Peace of Esprit & Eloquenz.
Zudem war Herbert in München
kein Unbekannter.
Er bewegte sich in Zuhälter-Kreisen,
hatte selbst ein „Mädchen laufen“,
die Toni. Deshalb auch die Knast-
bekanntschaft mit Lothar.
Seit seinem 12. Lebensjahr trainierte
er. Er war im Boxsport aktiv und als
Jugendlicher verbuchte er dabei auch
ein paar Siege in regionalen Meister-
schaften. In die Münchner Annalen
war er als der „Maratonga-Schläger“
eingegangen.
Laut seiner Beschreibung war das
Ereignis, das ihm bereits im Alter von
gerade mal neunzehn Jahren diese
zweifelhafte Berühmtheit eingetragen
hatte folgendermaßen abgelaufen:
Nach einem Besuch im Tanzclub
„Maratonga“, München Haidhausen,
waren ihm und zwei Freunden einige
Türken (seiner Aussage nach 7 „Kanaken“)
gefolgt. Die beiden Personengruppen
hatten bereits im Lokal lautstark
unterschiedliche Auffassungen über
das Recht türkisch-stämmiger
Mitbürger, sich an deutsche Frauen
heranmachen zu dürfen, geäußert.
Die Türken, die zum Teil Messer
gezogen hatten (laut Herberts Erzählung)
und offensichtlich der Auffassung
waren 7 gegen 3 wäre ausreichend,
wurden durch die Tatsache, dass sie
es mit 3 Kampfsportlern zu tun hatten
überrascht. Nach einer kurzen aber
lehrreichen Demonstration
überlegener Kampftechnik und dem
Einsatz kurzzeitig „entliehener“
Zaunlatten, blieben mehrere der
„Kanaken“ blutend auf der Straße
liegen, während der Rest die Flucht
antrat.
Einer von Herberts Gegnern flüchtete
nicht. Er stand nie wieder auf. Er war
tot. Selbstverteidigung? Pech?
(Diese klassische Heldenerzählung ist
vermutlich ebenso wahr, wie das
Nibelungenlied)
Herbert erhielt eine Jugendstrafe,
weil vor dem Gesetz die Faust eines
trainierten Kampfsportlers als Waffe
gewertet wird und der akute
Selbstverteidigungs-Modus vor
Gericht nicht hinreichend
bewiesen werden konnte.
(die Türken hatten nämlich ihre Messer
nicht in die Gerichtsverhandlung
mitgebracht und stritten deren Besitz
vehement ab) .
Die Sache ging groß durch die Presse.
Herbert gelangte, getragen durch die
heftig geäußerten, kontroversen
Auffassungen in der Kultur der
Münchner Stammtische und anderer
wichtiger, meinungsbildender
Institutionen eine ganze Weile lang,
zu lokaler Proleten-Prominenz.
Und jetzt, 6 Jahre später, stand er als
DJ im „Hollywood“. Es dauerte nicht
lange, und unser Publikum,
überwiegend Stammgäste, erfuhren
diese Geschichte, gepaart mit
fantasievollen Ausschmückungen
und anderen Gerüchten. Es
verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Als dann auch noch hin und wieder
ein paar von Herberts Freunden aus
der Zuhälter-und Bodybuilder-Szene
bei uns auftauchten, war die
Verunsicherung groß. Sogar die
Platzhirsche der Giesinger Rowdies,
die sich bisher für schlimm gehalten
hatten, mussten plötzlich einsehen,
dass sie so schlimm nun doch nicht
waren. Frustration? Angst? Man
fühlte sich nicht mehr wohl! Die
Publikumsfrequenz sank rapide.
Die Massendynamik -(„Da ist nix mehr
los, dann geh ma halt jetzt woanders hin!“)
kam bald noch erschwerend mit dazu.
Alle Versuche, „das sinkende Schiff“
zu retten waren vergebens.
Von Ernies Abgang an ging es ständig
bergab und im Jahresverlauf war der
Laden (und ich) so gut wie pleite.
„Gott hat einen harten linken Haken“
Treffende Aussage von Peter Fox.
Für den Moment war ich wieder
einmal gefangen in einem selbst
gebauten Käfig widriger Umstände.
Also, Zähne zusammenbeißen!
„Zurück auf Los“ Jobben wie zwei
Jahre zuvor. Spielball der Gezeiten.
Wenigstens genoss ich so die Freiheit
wieder in meine Band einsteigen -
und Zeit genug um alle Probetermine
wahrnehmen zu können.
Emil
