Der lange Weg II
Liebe macht blind. Sagt man.
Enthusiasmus auch. Sag ich.
Enthusiasmus bezeichnet einen
Zustand leidenschaftlicher
Begeisterung, hoher Motivation und
positiver Erregung.
Er ist gekennzeichnet durch einen
intensiven Tatendrang, der aus einer
tiefen inneren Hingabe an eine Idee,
ein Ziel, eine Person oder einen
Glauben entsteht.
Fortsetzung:
Um Teilhaber zu werden musste ich
zunächst Karels finanzielle Idee des
von mir einzubringenden Kapitals
grob nach unten korrigieren
(von 50 000,- auf 30 000,- DM);
2/3 der Summe borgte ich bei
meinem Vater (Fazit: Erklärungen,
Überzeugungsarbeit, Versprechungen......)
dann den Teilhaber-Vertrag prüfen,
zum Notar u.v.m.; lästig aber lösbar.
Doch um geschäftsführender
Teilhaber werden zu können musste
ich erst lernen, die Geschäfte zu
führen.
Noch ein Problem, mein Vater hatte
bei den zähen Kreditverhandlungen
darauf bestanden, dass ich meinen
Tagsüber-Job in der Feinkost nicht
sofort hinwerfe, sondern erst abwarte
bis es sich zweifelsfrei erwiesen hat,
dass das Disco-Business läuft - und
genug abwirft um davon zu leben.
Bizarr:
Der Vater als gebranntes Kind?
Aufgrund der dort vereinbarten
Kündigungsfrist kam ich ohnehin
nicht so schnell aus dem Vertrag.
Mist! - fast vier Monate - aber zum
Glück verfügte ich noch über einige
Urlaubstage vom Vorjahr und den
halben aktuellen Jahresurlaub.
Einige Tage krankfeiern kamen dann
auch noch dazu. Trotzdem blieben
etliche harte Wochen, in denen ich
Parallel Beschäftigt war.
Bei dem einen Job fünfmal :
(Montag bis Freitag) a 8 Stunden
- und in den Clubs viermal :
(Mittwoch bis Samstag) auch je 8 Std.
Egal.
Zurück zur Profession:
Was hatte ich an gastronomischer
Profession zu bieten? - Essen kochen
fiel komplett aus. Cocktails shaken
und mit den Gästen plaudern. Beides
wertvolle Kompetenzen in einer Bar,
die aber bei ohrenbetäubender Musik
Lautstärke und 90%igem Bierkonsum
nicht zum Tragen kommen würden.
Okay, vielleicht konnte ich damals
auch auf einige gelungene Abende
als DJ stolz sein. Meiner Meinung
nach – höchst überzeugende Auftritte
in der Kunst des Vinyl-Platten-
auflegens. Aber als Geschaftsführer
konnte ich nicht gleichzeitig DJ sein.
Also waren meine bisherigen
Kenntnisse für´n Arsch. Denn sonst
kannte ich die Arbeit in der
Nacht-Gastro-Szene hauptsächlich
von der Außenseite des Tresens.
HARDCORE
Denn jetzt erwartete mein
(Senior) - Geschäftspartner Karel,
dass ich Bar, Service, Einkauf,
Personalführung, Abrechnung,
Hygiene-Maßnahmen, steuerliche
Dokumentation usw... sofort
in den Griff kriege.
Nicht zu vergessen, das Führen,
Zufriedenstellen und im Zaum halten
durchaus anstrengender und
gewaltbereiter, jugendlicher Rowdys
– unserer Gäste.
Halloho......, dies war Obergiesing in
den 80gern. Ein sozialer Brennpunkt.
Hier gab es jede Woche wenigstens
eine richtige Hardcore-Schlägerei.
Mein Part dabei: Wenn es schon nicht
zu verhindern war, sollte es möglichst
diskret, den Discobetrieb nicht
beeinträchtigend und am Besten
draußen vor der Tür von Statten
gehen. Es galt, die gute Stimmung
im Lokal nicht entweichen zu lassen,
Schaden vom Lokal und Mobiliar
abzuwenden, die unbelehrbaren,
permanenten Anstifter der Gewalt-
exzesse mit „Lokalverbot“ zu belegen
und die Einhaltung desselben notfalls
mit Gewalt durchzusetzen. Also auch
mal „Hand anlegen“!
Karel wurde das zu anstrengend, das
war der eigentliche Grund, weshalb
er einen Geschäftsführer brauchte.
Er erwarb in Inning am Ammersee
ein Bistro, inklusive darüber
liegender Wohnung. Das war der
eigentliche Grund warum er einen
Teilhaber brauchte – um frisches
Geld in seine Kassen zu füllen.
Seine Bankdarlehen waren ausgereizt
Für die Banker war die Gastronomie
schon immer eine Rot-Branche.
Relativ zügig knallte Karel die Tür
hinter sich zu und richtete seinen
Energie-Haushalt nach Inning aus,
Ich war also, kaum in „Amt & Würde“
auch schon völlig auf mich allein
gestellt.
Das heißt, nicht ganz. Immerhin
konnte ich auf den Beistand und den
Sachverstand von „Ernie“ zählen.
Ihn hatte mir Karel vor seinem
Rückzug noch als verlässlichen,
erfahrenen & erfolgreichen DJ zur
Seite gestellt.
Binnen kürzester Zeit entwickelte
sich zwischen uns ein dickes Band
der Freundschaft.
Ernst Farmer, Spitzname „Ernie“,
drei Jahre älter als ich, auf den ersten
Blick ein eher unscheinbarer Typ.
Etwa 1,72 m groß, weder dick, noch
dünn, durchschnittlich aussehend,
bezeichnete sich selbst als
„Disco-Profi“ und „Gastro-Schlampe“.
Er hatte bereits in den Schwabinger
Top-Clubs aufgelegt. Im „BaBaLu“
im „PN“ im „Take five“ und aktuell
auch noch nebenbei im „Namenlos“.
Er war Duz-Freund von Tommi
Hörbiger, dem Schauspieler, dem
in München mehrere Clubs und
Lokale gehörten. Ernie war ein
einzigartiger Typ mit einem
einzigartigen Charisma.
Er war ein Superstar, er war so populär,
er war so exaltiert genau das war sein
Flair. Er war ein Virtuose und ein (Disco)
-Rock-Idol und verstand es meisterhaft
das „einfache Volk“ -
- unser Publikum -
um seinen Finger zu wickeln.
Er war ein Mann der Frauen und Frauen
liebten seinen Punk - Erniedeus....
Fortsetzung folgt
Emil
Enthusiasmus auch. Sag ich.
Enthusiasmus bezeichnet einen
Zustand leidenschaftlicher
Begeisterung, hoher Motivation und
positiver Erregung.
Er ist gekennzeichnet durch einen
intensiven Tatendrang, der aus einer
tiefen inneren Hingabe an eine Idee,
ein Ziel, eine Person oder einen
Glauben entsteht.
Fortsetzung:
Um Teilhaber zu werden musste ich
zunächst Karels finanzielle Idee des
von mir einzubringenden Kapitals
grob nach unten korrigieren
(von 50 000,- auf 30 000,- DM);
2/3 der Summe borgte ich bei
meinem Vater (Fazit: Erklärungen,
Überzeugungsarbeit, Versprechungen......)
dann den Teilhaber-Vertrag prüfen,
zum Notar u.v.m.; lästig aber lösbar.
Doch um geschäftsführender
Teilhaber werden zu können musste
ich erst lernen, die Geschäfte zu
führen.
Noch ein Problem, mein Vater hatte
bei den zähen Kreditverhandlungen
darauf bestanden, dass ich meinen
Tagsüber-Job in der Feinkost nicht
sofort hinwerfe, sondern erst abwarte
bis es sich zweifelsfrei erwiesen hat,
dass das Disco-Business läuft - und
genug abwirft um davon zu leben.
Bizarr:
Der Vater als gebranntes Kind?
Aufgrund der dort vereinbarten
Kündigungsfrist kam ich ohnehin
nicht so schnell aus dem Vertrag.
Mist! - fast vier Monate - aber zum
Glück verfügte ich noch über einige
Urlaubstage vom Vorjahr und den
halben aktuellen Jahresurlaub.
Einige Tage krankfeiern kamen dann
auch noch dazu. Trotzdem blieben
etliche harte Wochen, in denen ich
Parallel Beschäftigt war.
Bei dem einen Job fünfmal :
(Montag bis Freitag) a 8 Stunden
- und in den Clubs viermal :
(Mittwoch bis Samstag) auch je 8 Std.
Egal.
Zurück zur Profession:
Was hatte ich an gastronomischer
Profession zu bieten? - Essen kochen
fiel komplett aus. Cocktails shaken
und mit den Gästen plaudern. Beides
wertvolle Kompetenzen in einer Bar,
die aber bei ohrenbetäubender Musik
Lautstärke und 90%igem Bierkonsum
nicht zum Tragen kommen würden.
Okay, vielleicht konnte ich damals
auch auf einige gelungene Abende
als DJ stolz sein. Meiner Meinung
nach – höchst überzeugende Auftritte
in der Kunst des Vinyl-Platten-
auflegens. Aber als Geschaftsführer
konnte ich nicht gleichzeitig DJ sein.
Also waren meine bisherigen
Kenntnisse für´n Arsch. Denn sonst
kannte ich die Arbeit in der
Nacht-Gastro-Szene hauptsächlich
von der Außenseite des Tresens.
HARDCORE
Denn jetzt erwartete mein
(Senior) - Geschäftspartner Karel,
dass ich Bar, Service, Einkauf,
Personalführung, Abrechnung,
Hygiene-Maßnahmen, steuerliche
Dokumentation usw... sofort
in den Griff kriege.
Nicht zu vergessen, das Führen,
Zufriedenstellen und im Zaum halten
durchaus anstrengender und
gewaltbereiter, jugendlicher Rowdys
– unserer Gäste.
Halloho......, dies war Obergiesing in
den 80gern. Ein sozialer Brennpunkt.
Hier gab es jede Woche wenigstens
eine richtige Hardcore-Schlägerei.
Mein Part dabei: Wenn es schon nicht
zu verhindern war, sollte es möglichst
diskret, den Discobetrieb nicht
beeinträchtigend und am Besten
draußen vor der Tür von Statten
gehen. Es galt, die gute Stimmung
im Lokal nicht entweichen zu lassen,
Schaden vom Lokal und Mobiliar
abzuwenden, die unbelehrbaren,
permanenten Anstifter der Gewalt-
exzesse mit „Lokalverbot“ zu belegen
und die Einhaltung desselben notfalls
mit Gewalt durchzusetzen. Also auch
mal „Hand anlegen“!
Karel wurde das zu anstrengend, das
war der eigentliche Grund, weshalb
er einen Geschäftsführer brauchte.
Er erwarb in Inning am Ammersee
ein Bistro, inklusive darüber
liegender Wohnung. Das war der
eigentliche Grund warum er einen
Teilhaber brauchte – um frisches
Geld in seine Kassen zu füllen.
Seine Bankdarlehen waren ausgereizt
Für die Banker war die Gastronomie
schon immer eine Rot-Branche.
Relativ zügig knallte Karel die Tür
hinter sich zu und richtete seinen
Energie-Haushalt nach Inning aus,
Ich war also, kaum in „Amt & Würde“
auch schon völlig auf mich allein
gestellt.
Das heißt, nicht ganz. Immerhin
konnte ich auf den Beistand und den
Sachverstand von „Ernie“ zählen.
Ihn hatte mir Karel vor seinem
Rückzug noch als verlässlichen,
erfahrenen & erfolgreichen DJ zur
Seite gestellt.
Binnen kürzester Zeit entwickelte
sich zwischen uns ein dickes Band
der Freundschaft.
Ernst Farmer, Spitzname „Ernie“,
drei Jahre älter als ich, auf den ersten
Blick ein eher unscheinbarer Typ.
Etwa 1,72 m groß, weder dick, noch
dünn, durchschnittlich aussehend,
bezeichnete sich selbst als
„Disco-Profi“ und „Gastro-Schlampe“.
Er hatte bereits in den Schwabinger
Top-Clubs aufgelegt. Im „BaBaLu“
im „PN“ im „Take five“ und aktuell
auch noch nebenbei im „Namenlos“.
Er war Duz-Freund von Tommi
Hörbiger, dem Schauspieler, dem
in München mehrere Clubs und
Lokale gehörten. Ernie war ein
einzigartiger Typ mit einem
einzigartigen Charisma.
Er war ein Superstar, er war so populär,
er war so exaltiert genau das war sein
Flair. Er war ein Virtuose und ein (Disco)
-Rock-Idol und verstand es meisterhaft
das „einfache Volk“ -
- unser Publikum -
um seinen Finger zu wickeln.
Er war ein Mann der Frauen und Frauen
liebten seinen Punk - Erniedeus....
Fortsetzung folgt
Emil
