DUNST
Keinen Dunst zu haben ist ja schon
schlimm genug, aber der blaue Dunst,
das Rauchen ist noch viel schlimmer,
sagt man.
Dabei ist es nicht zu bestreiten, dass
das gesundheitliche Risiko für
Raucher ein ganz beträchtliches ist.
Welcher Trottel kann angesichts des
Risikos, der stetig steigenden Preise
und einer abnehmenden öffentlichen
Toleranz dem Rauchen und den
Rauchern gegenüber immer noch
an dieser Sucht festhalten?
Ha, da haben wir´s. Sucht, also der
Süchtige.
Willensschwache Menschen, die es
nicht schaffen sich von diesem Übel
loszusagen.
Jane Fonda, Schauspielerin und in
den frühen 80-ern - Ikone der
Airobic Bewegung sagte:
„Ich verstehe gar nicht, weshalb die
Leute immer sagen, es wäre so
schwierig, mit dem Rauchen
aufzuhören. Ich habe schon vierzehn
mal problemlos aufgehört!“
Ein anderer Schauspieler den ich sehr
verehre, nämlich Robin Williams
mimte in einem Hollywood-Streifen
einen Psychiater der zu einem
potentiellen Kunden folgenden
Monolog hielt: „Ich finde es gibt
zweierlei Menschen. Nein, ich meine
jetzt nicht Gute und Böse, nicht
Schwarze und Weiße und auch nicht
Männer und Frauen, ich meine die
Welt teilt sich in Raucher und
Nichtraucher.
Natürlich gibt es auch rauchende
Nichtraucher - die es besser lassen
sollten - und nichtrauchende Raucher.
Wobei letztere meistens zu meinem
Kundenklientel zu rechnen sind!“
Ich muss mich, so wenig ich es
eigentlich mit meiner intellektuellen
Aufarbeitung dieses Themas
vereinbaren kann, in den Kategorien
des Herrn Williams - zu den (meist)
nichtrauchenden Rauchern zählen.
Ebenso,
wie ich mich bedauerlicherweise
zu den Fleischfressern zählen muss.
Obwohl ich Tiere liebe, - und die
Lebensmittelindustrie, die Profiteure
unendlichen Tierleids und die
Züchter verachte, bringe ich es nicht
über mich, völlig ohne den Genuss
von Fleisch und Fisch auszukommen.
Als Vegetarier oder noch schlimmer
als Veganer müsste ich auf einen
wesentlichen Teil meiner Lebensart
verzichten. Mich einschränken.
Mich reduzieren.
Furchtbarer Gedanke.
Ähnlich ergeht es mir mit dem
Rauchen. Damit meine ich dieses
Gefühl von Unvollständigkeit, ein
Loch in meinem persönlichen
Raum-Zeit-Gefüge wenn ich es mir
komplett versage. Und von diesen
Phasen des Verzichts gab es deren
viele, die längste immerhin 7 Jahre.
Begonnen im Alter von 15 Jahren
wurde das Laster des Rauchens eine
Selbstverständlichkeit, ein Teil von
mir. Die ganze Gesellschaft in deren
Mitte ich groß wurde, war
durchdrungen vom blauen Dunst.
Man rauchte in Autos, Zügen,
Flugzeugen. Man rauchte im Bett,
auf dem Klo, in Restaurants – selbst
wenn am selben Tisch gegessen
wurde. Die Floskel: „Stört es Sie
wenn ich rauche?“ War ungefähr so
ernst gemeint wie ein April-Scherz.
Verweigerer waren hoffnungslos in
der Minderzahl. Das Kiffen kam als
erschwerende Disziplin auch noch
dazu. Wie sollte man denn einen
Joint rauchen ohne vorher seine
Lungenflügel trainiert zu haben?
Zurück zum Dunst:
Kleine Belohnung hier, Nervosität
dort, eine Beschäftigung für die
Hände, trostreiches Nuckeln am
Glimmstengel.
Ich kenne all diese psychologischen
Erklärungen für das Suchtverhalten,
aber in meiner Sprache, in meiner
Definition kommt da noch was
entscheidendes hinzu:. -
Ich glaube, da ich das Rauchen als
Selbstverständlichkeit und als Teil
meiner selbst, in der Phase der
Charakterbildung und
Selbst(er)findung zu meiner
Persönlichkeit addiert habe, empfinde
ich mich als nicht komplett, wenn ich
es mir gänzlich versage.
Der Wiener Musiker, Lehrer und
Schriftsteller Stefan Slupetzky
schreibt:
„Ich finde das Rauchen immer noch
schön. Auch wenn ich mir der
Unhaltbarkeit dieses Vorurteils
bewusst bin, erscheint mir die Spezies
der Raucher weniger verbissen,
weniger rigide, irgendwie gelassener
und humorvoller. Raucher nehmen,
und das entspricht ohne Zweifel den
Tatsachen, das Leben weniger ernst,
indem sie den Tod mit Verachtung
strafen. Abgesehen davon ist der feine
blaue Dunst ein Genussmittel, aber
auch Teil einer schwindenden Kultur,
einer Kultur der Kontemplation
nämlich und des gedanklichen
Innehaltens. Nicht umsonst gibt es
eine Grenze zwischen den
Traditionen des Kaffeehaus und des
„Starbucks“; zwischen einem
Wirtshaus und einem „McDonalds“!
Ich weiß, es entspricht der normalen
Bewusstseinstrübung welche in der
Regel mit dem Suchtverhalten
einhergeht, wenn der Süchtige der
Meinung ist, alles „im Griff“ zu
haben.
Der Meinung bin ich auch, aber aus
gutem Grund. Bereits in recht jungen
Jahren konnte ich einige der
Mechanismen meiner subjektiven
Tabaksucht an mir selbst erforschen.
Ich stellte mir die Frage, wieso ich
überhaupt kein Bedürfnis nach einer
Zigarette empfinde, wenn ich
stundenlang im Kino sitze.
Bei Double-Features die zu dieser Zeit
gerade hochmodern waren,
bis zu 5 Stunden?
-
Antwort: Mein Unterbewusstsein
verhält sich äußerst diskret, kennt
meine Gewohnheiten und auch
territoriale Besonderheiten wie Kino,
Bus, Bahn, ect.... dabei belästigt es
mich nicht mit der Lust nach einer
Zigarette.
Erneute Frage: Warum?
Antwort: Der Schlüssel heißt
„Gewohnheit“ und ich selbst, bzw.
mein Unterbewusstsein kontrolliere
das. Scheinbar kann ich leichter
darauf Einfluss nehmen, mir selbst
irgendetwas als Gewohnheit zu
verkaufen, wenn ich es irgendwie,
irgendwo anbinden kann. An eine
Örtlichkeit, eine Tageszeit o.ä.....
Nachdem mir das klar wurde,
erweiterte ich sukzessive meine
„Rauchfreien Räume“; zuerst um das
Innere meines Autos; dann nicht
mehr im Schlafzimmer; ich unterließ
es morgens vor dem Kaffee.
Alles ganz problemlos!
Als ich an meinem Dreißigsten
Geburtstag beschloss ganz mit dem
Rauchen aufzuhören -
(konkret sagte ich damals: „Jetzt hab ich
15 Jahre geraucht –
jetzt hör ich mal für 15 Jahre damit auf)
- waren meine tiefen-
psychologischen Hausaufgaben
bereits erledigt und mein Smoke-Exit
lief im ersten Anlauf ohne Probleme
oder Rückfall ab.
Allerdings langweilte mich der
Verzicht bereits im achten Jahr der
totalen Abstinenz. Ich war der
Meinung, mir selbst hinreichend
bewiesen zu haben, dass der Tabak
keine Macht über mich ausübt und so
gestattete ich es mir, zumindest hin
und wieder ein wenig zu paffen.
Wegen dem Fun-Faktor.
Beim paffen blieb`s nicht –
beim hin und wieder schon eher.
Als meine Tochter einige Jahre später
zur Welt kam, musste ich meiner Frau
versprechen zuhause überhaupt nicht
mehr zu rauchen. Unsere Kinder
sollten weder passiv rauchen – noch
sich an mir ein schlechtes Beispiel
nehmen - und so geschah es.
Und trotzdem bin ich nicht völlig
geheilt und es gibt immer noch
seltene, kostbare Momente des
Rückfalls. Man soll aus seinem
Herzen keine Mördergrube machen.
Aber meine Partnerin kann dafür
kaum Verständnis aufbringen. Sie
hat nie geraucht; sie weiß nichts
über den Genuss einer Kippe zu
einem Glas Wein oder einer Tasse
Kaffee; sie spricht wie ein Blinder
über Farben.
Und wie soll ich ihr das verständlich
machen, ohne wieder einmal eine
lange fruchtlose Auseinandersetzung
zu provozieren ?
Die Tragödie der Menschheit:
Tausende von Gefühlen –
Tausende von Nuancen –
und nur ganz wenige Worte
um diese auszudrücken.
Um es mit Slupetzky`s Worten zu
beenden: „Ich finde das Rauchen
immer noch schön“!
– nur bei besonderen Gelegenheiten …
Minimalistisch. Als Herrscher über
meine Süchte, in denen ich bei Lust,
Laune und Gelegenheit immer noch
schwelge.
Nur so,
kann ich mich den Suchtrauchern
gegenüber überlegen fühlen, und
ehrlich gesagt...........
…...........auch den Nichtrauchern
diesen Farbenblinden gegenüber.
Emil
schlimm genug, aber der blaue Dunst,
das Rauchen ist noch viel schlimmer,
sagt man.
Dabei ist es nicht zu bestreiten, dass
das gesundheitliche Risiko für
Raucher ein ganz beträchtliches ist.
Welcher Trottel kann angesichts des
Risikos, der stetig steigenden Preise
und einer abnehmenden öffentlichen
Toleranz dem Rauchen und den
Rauchern gegenüber immer noch
an dieser Sucht festhalten?
Ha, da haben wir´s. Sucht, also der
Süchtige.
Willensschwache Menschen, die es
nicht schaffen sich von diesem Übel
loszusagen.
Jane Fonda, Schauspielerin und in
den frühen 80-ern - Ikone der
Airobic Bewegung sagte:
„Ich verstehe gar nicht, weshalb die
Leute immer sagen, es wäre so
schwierig, mit dem Rauchen
aufzuhören. Ich habe schon vierzehn
mal problemlos aufgehört!“
Ein anderer Schauspieler den ich sehr
verehre, nämlich Robin Williams
mimte in einem Hollywood-Streifen
einen Psychiater der zu einem
potentiellen Kunden folgenden
Monolog hielt: „Ich finde es gibt
zweierlei Menschen. Nein, ich meine
jetzt nicht Gute und Böse, nicht
Schwarze und Weiße und auch nicht
Männer und Frauen, ich meine die
Welt teilt sich in Raucher und
Nichtraucher.
Natürlich gibt es auch rauchende
Nichtraucher - die es besser lassen
sollten - und nichtrauchende Raucher.
Wobei letztere meistens zu meinem
Kundenklientel zu rechnen sind!“
Ich muss mich, so wenig ich es
eigentlich mit meiner intellektuellen
Aufarbeitung dieses Themas
vereinbaren kann, in den Kategorien
des Herrn Williams - zu den (meist)
nichtrauchenden Rauchern zählen.
Ebenso,
wie ich mich bedauerlicherweise
zu den Fleischfressern zählen muss.
Obwohl ich Tiere liebe, - und die
Lebensmittelindustrie, die Profiteure
unendlichen Tierleids und die
Züchter verachte, bringe ich es nicht
über mich, völlig ohne den Genuss
von Fleisch und Fisch auszukommen.
Als Vegetarier oder noch schlimmer
als Veganer müsste ich auf einen
wesentlichen Teil meiner Lebensart
verzichten. Mich einschränken.
Mich reduzieren.
Furchtbarer Gedanke.
Ähnlich ergeht es mir mit dem
Rauchen. Damit meine ich dieses
Gefühl von Unvollständigkeit, ein
Loch in meinem persönlichen
Raum-Zeit-Gefüge wenn ich es mir
komplett versage. Und von diesen
Phasen des Verzichts gab es deren
viele, die längste immerhin 7 Jahre.
Begonnen im Alter von 15 Jahren
wurde das Laster des Rauchens eine
Selbstverständlichkeit, ein Teil von
mir. Die ganze Gesellschaft in deren
Mitte ich groß wurde, war
durchdrungen vom blauen Dunst.
Man rauchte in Autos, Zügen,
Flugzeugen. Man rauchte im Bett,
auf dem Klo, in Restaurants – selbst
wenn am selben Tisch gegessen
wurde. Die Floskel: „Stört es Sie
wenn ich rauche?“ War ungefähr so
ernst gemeint wie ein April-Scherz.
Verweigerer waren hoffnungslos in
der Minderzahl. Das Kiffen kam als
erschwerende Disziplin auch noch
dazu. Wie sollte man denn einen
Joint rauchen ohne vorher seine
Lungenflügel trainiert zu haben?
Zurück zum Dunst:
Kleine Belohnung hier, Nervosität
dort, eine Beschäftigung für die
Hände, trostreiches Nuckeln am
Glimmstengel.
Ich kenne all diese psychologischen
Erklärungen für das Suchtverhalten,
aber in meiner Sprache, in meiner
Definition kommt da noch was
entscheidendes hinzu:. -
Ich glaube, da ich das Rauchen als
Selbstverständlichkeit und als Teil
meiner selbst, in der Phase der
Charakterbildung und
Selbst(er)findung zu meiner
Persönlichkeit addiert habe, empfinde
ich mich als nicht komplett, wenn ich
es mir gänzlich versage.
Der Wiener Musiker, Lehrer und
Schriftsteller Stefan Slupetzky
schreibt:
„Ich finde das Rauchen immer noch
schön. Auch wenn ich mir der
Unhaltbarkeit dieses Vorurteils
bewusst bin, erscheint mir die Spezies
der Raucher weniger verbissen,
weniger rigide, irgendwie gelassener
und humorvoller. Raucher nehmen,
und das entspricht ohne Zweifel den
Tatsachen, das Leben weniger ernst,
indem sie den Tod mit Verachtung
strafen. Abgesehen davon ist der feine
blaue Dunst ein Genussmittel, aber
auch Teil einer schwindenden Kultur,
einer Kultur der Kontemplation
nämlich und des gedanklichen
Innehaltens. Nicht umsonst gibt es
eine Grenze zwischen den
Traditionen des Kaffeehaus und des
„Starbucks“; zwischen einem
Wirtshaus und einem „McDonalds“!
Ich weiß, es entspricht der normalen
Bewusstseinstrübung welche in der
Regel mit dem Suchtverhalten
einhergeht, wenn der Süchtige der
Meinung ist, alles „im Griff“ zu
haben.
Der Meinung bin ich auch, aber aus
gutem Grund. Bereits in recht jungen
Jahren konnte ich einige der
Mechanismen meiner subjektiven
Tabaksucht an mir selbst erforschen.
Ich stellte mir die Frage, wieso ich
überhaupt kein Bedürfnis nach einer
Zigarette empfinde, wenn ich
stundenlang im Kino sitze.
Bei Double-Features die zu dieser Zeit
gerade hochmodern waren,
bis zu 5 Stunden?
-
Antwort: Mein Unterbewusstsein
verhält sich äußerst diskret, kennt
meine Gewohnheiten und auch
territoriale Besonderheiten wie Kino,
Bus, Bahn, ect.... dabei belästigt es
mich nicht mit der Lust nach einer
Zigarette.
Erneute Frage: Warum?
Antwort: Der Schlüssel heißt
„Gewohnheit“ und ich selbst, bzw.
mein Unterbewusstsein kontrolliere
das. Scheinbar kann ich leichter
darauf Einfluss nehmen, mir selbst
irgendetwas als Gewohnheit zu
verkaufen, wenn ich es irgendwie,
irgendwo anbinden kann. An eine
Örtlichkeit, eine Tageszeit o.ä.....
Nachdem mir das klar wurde,
erweiterte ich sukzessive meine
„Rauchfreien Räume“; zuerst um das
Innere meines Autos; dann nicht
mehr im Schlafzimmer; ich unterließ
es morgens vor dem Kaffee.
Alles ganz problemlos!
Als ich an meinem Dreißigsten
Geburtstag beschloss ganz mit dem
Rauchen aufzuhören -
(konkret sagte ich damals: „Jetzt hab ich
15 Jahre geraucht –
jetzt hör ich mal für 15 Jahre damit auf)
- waren meine tiefen-
psychologischen Hausaufgaben
bereits erledigt und mein Smoke-Exit
lief im ersten Anlauf ohne Probleme
oder Rückfall ab.
Allerdings langweilte mich der
Verzicht bereits im achten Jahr der
totalen Abstinenz. Ich war der
Meinung, mir selbst hinreichend
bewiesen zu haben, dass der Tabak
keine Macht über mich ausübt und so
gestattete ich es mir, zumindest hin
und wieder ein wenig zu paffen.
Wegen dem Fun-Faktor.
Beim paffen blieb`s nicht –
beim hin und wieder schon eher.
Als meine Tochter einige Jahre später
zur Welt kam, musste ich meiner Frau
versprechen zuhause überhaupt nicht
mehr zu rauchen. Unsere Kinder
sollten weder passiv rauchen – noch
sich an mir ein schlechtes Beispiel
nehmen - und so geschah es.
Und trotzdem bin ich nicht völlig
geheilt und es gibt immer noch
seltene, kostbare Momente des
Rückfalls. Man soll aus seinem
Herzen keine Mördergrube machen.
Aber meine Partnerin kann dafür
kaum Verständnis aufbringen. Sie
hat nie geraucht; sie weiß nichts
über den Genuss einer Kippe zu
einem Glas Wein oder einer Tasse
Kaffee; sie spricht wie ein Blinder
über Farben.
Und wie soll ich ihr das verständlich
machen, ohne wieder einmal eine
lange fruchtlose Auseinandersetzung
zu provozieren ?
Die Tragödie der Menschheit:
Tausende von Gefühlen –
Tausende von Nuancen –
und nur ganz wenige Worte
um diese auszudrücken.
Um es mit Slupetzky`s Worten zu
beenden: „Ich finde das Rauchen
immer noch schön“!
– nur bei besonderen Gelegenheiten …
Minimalistisch. Als Herrscher über
meine Süchte, in denen ich bei Lust,
Laune und Gelegenheit immer noch
schwelge.
Nur so,
kann ich mich den Suchtrauchern
gegenüber überlegen fühlen, und
ehrlich gesagt...........
…...........auch den Nichtrauchern
diesen Farbenblinden gegenüber.
Emil
