Betty`s Beziehungs - Paradoxon
Teil 3 Exodus
„Hauptsache wir haben uns!“
Wir hatten uns - noch, einen tollen
harmonischen Sommer-; einen sich
verdunkelnden Herbst-; und ein
verstörendes Weihnachtsfest lang.
Die Erosion der Zeit nagt ständig an
uns und unserem Tun. Sie lässt nicht
zu, dass irgendetwas so bleibt wie es
ist.
Als Betty ihre Lehre beendet hatte
und nicht so recht wusste wie es jetzt
weitergehen sollte, überzeugte und
ermutigte ich sie dazu, die Berufs-
Aufbau-Schule BOS zu besuchen.
Ich hatte mir von den früheren
Gewinnen ein Motorrad gekauft.
Eine getunte Honda 500 CX Soft
Chopper. Ein Traum von einem
Motorrad mit 55 PS. Ich liebte es mit
ihr sämtliche Verkehrsregeln zu
verletzen und wenn ich mit
schwarzem Helm und Lederkombi
durch die nächtliche Stadt brauste,
fühlte ich eine gewisse Affinität
mit einigen meiner Comic-Helden.
Betty und ich verbrachten die beiden
letzten Augustwochen mit der Honda
in Italien. Eine wunderbarer Urlaub
zu zweit. Bei der Rückfahrt über den
Brennerpass gerieten wir völlig
überraschend in ein Schneegestöber,
und das im Sommer.
Nachträglich hätte man das als böses
Omen, als himmlisches Schlussfanal
als Abgesang für unsere Liebe
interpretieren können. Denn von nun
an drifteten unsere Leben, und unsere
Interessen auseinander.
Diese BOS war wirklich krass. Zwei
Drittel der Schüler überstanden die
3-monatige Probezeit nicht.Während
Betty in ihrer Schule wirklich alles
Aufbieten musste und täglich nach
dem Unterricht noch stundenlang vor
den Büchern saß um zu büffeln
(ungestört), holte mich einer meiner
alter Musiker-Kumpel, in seine neue
Formation. Am Arsch der Welt –
in Unterschleißheim hatte er uns
einen Übungsraum aufgetan.
(und Übungsräume waren ein ungeheuer
seltenes und kostbares Gut) –
.
Ich ging tagsüber arbeiten und wenn
ich nach Hause kam, saß sie vor ihren
Büchern. Da ich ihr nicht helfen
konnte und sie nur um ihre
Konzentration brachte, verließ ich
die Wohnung meist ganz schnell.
Entweder Richtung Übungsraum,
oder ich zog wieder mit der alten
Clique um die Häuser. Nur die
Wochenenden verlebten Betty und
ich noch gemeinsam.
Meistens trafen wir uns mit der
„Josie“, einer äußerst
interessanten Persönlichkeit des
Münchner Jet-Set.
Josepha von Lüdewitz, 37,
Ex Miss Germany und seinerzeit
Top-Model (bis sie aus dem Alter
raus war und ein Kind in die Welt gesetzt
hatte. Zur Zeit unserer Bekanntschaft
war sie aber immer noch als Fotomodell
gut gebucht).
Sie fristete in einer wunderschönen
Altbauwohnung in Schwabing
gemeinsam mit ihrem 5-jährigen
Sohn ein nur noch C-Promi-Dasein.
Betty und ich hatten sie über einen
gemeinsamen Bekannten kennen-
gelernt und wurden jetzt echt häufig
von ihr eingeladen. Sie rief z.B. an
um uns zu beschwören:„Hey Leute,
habt ihr am Samstag schon was vor?
Wisst ihr, da soll ich unbedingt zur
Eröffnung eines Lokals gehen. Die
Besitzer kenn ich noch von früher,
die sind echt ungemein langweilige
Spießer, aber wenn ihr beide kommt,
dann wird’s bestimmt lustig!“
Oder sie lud uns ins Schauspielhaus,
denn der dortige Intendant Kurt Meysel,
war ein enger Freund von ihr,
genauso wie Constantin Wecker,
oder Raoul, ein Kolumbianischer
Koks-Dealer, oder Mick und Muck
Flick die schwergewichtigen,
schwerreichen Schwerindustriellen,
der Kolumnist Michael Gräter zählte
ebenso zu ihren Bekannten.
Und natürlich alles, was in München
Hip war und zur Mode- und
Jet-Set-Welt gehörte.
Ihr gegenwärtiger Lover ,Torsten,
war mehr als zehn Jahre jünger als
sie. (All diese Leute waren unheimlich
oberflächlich und selbstverliebt).
Nur Raoul fand ich interessant. Mit
ihm verstand ich mich blendend. Als
er mir gestand, dass er bis zu seiner
Abreise in 2 – 3 Tagen untertauchen
muss, bot ich ihm so lange
Unterschlupf. Einem Freund zu
helfen ohne Fragen zu stellen war
für mich damals selbstverständlich.
Ich weiß nicht wie viele Kilo Koks
er dann meine knarzende Holztreppe
in der Westendstraße rauf schleppte –
ich weiß nicht wieviel Jahre Knast
mir dafür geblüht hätten, wenn das
Zeug bei mir gefunden worden wäre?
dumm? - Ja sicher … aber hey, der
Typ war in Ordnung. Ich mochte ihn.
(Mehr interessierte mich damals nicht.
Vielleicht sollte man Robin Hood, Spider-Man
oder Schauspieler wie John Wayne und
Steve McQueen für diese jugentliche
Geistesgestörtheit verantwortlich machen.
Mit Kokainkonsum hatte ich nichts zu tun –
Wobei das Zeug aber in den Kreisen, in
denen ich mich bewegte, so normal war
wie Baby-Puder)
Manchmal saßen wir auch bei Josie
in der Wohnung und diskutierten mit
Tänzern und Choreographen des
Staatsballetts über neu erschienene
Bücher. Oder wir besuchten mit ihr
zusammen „Die Klappe“, der
Künstler und Schauspielertreff mit
dem strengsten Türsteher Münchens.
Dieses Lokal, welches leider nicht
allzu lange bestand, wurde berühmt
durch das Lied der
Spider-Murphy-Gang.
Unter dem Pseudonym „Schickeria“
wurden die Zustände in dieser Bar
geschildert und stark kritisiert.
Zu recht! Aber der scharfe
Türsteher war nötig, weil in
diesem Laden das Kokain ganz
offen über den Tisch verkauft
wurde. Eingelassen wurden
ausschließlich bekannte Gesichter
und bestenfalls neue Leute auf
Empfehlung bekannter Stammgäste.
Trotzdem gingen die beiden Betreiber,
ein nettes Ehepaar, bald für ihr Drogen
-offenes Geschäftsgebahren ins
Gefängnis. Vorher durfte ich sie noch,
bei einer gemeinsam „durchzechten“
Nacht, ausgiebig kennenlernen.
Ich versichere hiermit, an Eides statt, dass
ich trotz der greifbaren Nähe zu dieser
Substanz und inflationären Gelegenheiten,
nie zum Kokain gegriffen habe.
Über die Josie erhielt Betty jetzt ihre
ersten Model-Jobs. Sie kam gut an.
Gleichzeitig bildete sich aus den
„Überlebenden“ ihrer Klasse ein
Lernzirkel mit dem sie sich des
öfteren zusammensetzte.
Je enger ihr Verhältnis zu Josie wurde,
um so weniger Interesse verspürte ich
da mitzumischen, und so verbrachten
wir immer weniger Zeit miteinander
und drifteten in verschiedene Welten
auseinander. Sie fühlte sich wohl in
dieser Jet-Set-Blase „Ich wünsch dir
noch ein geiles Leben“ während ich die
ehrlichen, geradlinigen Charaktere
meiner Freunde präferierte. Aber
wie viel Freiheit verträgt die Liebe?
Für mich stellte das alles kein
Problem dar, ich liebte sie nach wie
vor und war der Meinung, dass man
eine innige Beziehung führen, und
trotzdem nicht fortgesetzt und
permanent 24 Stunden am Tag
zusammen verbringen muss. Bei ihr
aber setzte der umgekehrte Prozess
ein, der uns zwei Jahre zuvor
zusammengeschweißt hatte.
Sie band sich an mich, als ich um sie
kämpfte und löste sich von mir, als
Sie glaubte sie rangiere bei mir nicht
mehr an erster Stelle.
Zu dieser Zeit, und mit meinen 23
Jahren konnte ich diese grausame
Kausalität nicht durchschauen.
Oder die Tatsache, dass viele Frauen
ihre festen Partner, sobald es „ernst“
wird, mit „Haut und Haar“ besitzen
wollen. Zeitraubende Hobbies und
konkurrierende Freundschaften sind
dann störend.
Bei ihr, und ihrer Vorgeschichte
mit der problematischen Vater –
Tochter Beziehung wirkten scheinbar
noch ganz andere, unterschwellige,
emotionale Gravitationen.
Der Begriff Bindungsstörung war mir
zu jener Zeit nicht geläufig.
Sie fing an, mir absichtlich weh zu
tun, versuchte mich eifersüchtig zu
machen, blieb mehrmals (ohne
Rücksprache) über Nacht bei Josie.
- Im Spätsommer (Oktober) erklärte sie
mir noch, dass sie sich vorstellen
könnte mich zu heiraten und Kinder
mit mir zu haben, - ich erwiderte,
dass wir dazu besser noch etwas
warten sollten, zumindest bis sie
ihre Schule abgeschlossen hätte -
- aber kurz nach Weihnachten teilte
sie mir mit, dass sie sich von mir
trennen will.
Zuerst konnte ich das gar nicht
glauben, da wir gerade an den
Weihnachtsfeiertagen noch ein paar
sehr harmonische Tage und Nächte
miteinander verbracht hatten. Sie
erklärte mir, dass sie der Meinung sei,
dass ich „der wohl wichtigste Mann
in ihrem Leben gewesen bin“ (und
vermutlich auch bleiben werde), dass sie
aber nur Eines kann, entweder ihre
Schule und ihr Studium fortsetzen
oder mit mir die Beziehung vertiefen
mit dem Ziel eine Familie zu gründen
und da ihr in den letzten Monaten gar
keine Wahl geblieben sei als sich auf
die erste Möglichkeit zu fokussieren
bliebe ihr jetzt konsequenterweise
nichts anderes übrig als den nächsten
Schritt zu tun. Außerdem warf sie mir
vor, sie nicht mehr zu lieben, sondern
sie nur noch besitzen zu wollen.
Peng!
So viele Theorien, Behauptungen,
Besserwisserei und Logik in Herzens-
Angelegenheiten hielt ich für unlauter
unangebracht, und beinahe abstoßend.
Für mich in höchstem Maße paradox
und sagte ihr das auch
(in weniger gewählten Worten)
es gab einen Riesen-Zoff.
Hätte ich ihr an dieser Stelle einen
ernst gemeinten Heiratsantrag
gemacht, anstatt wutentbrannt den
wunderschönen Glastisch zu
zerbrechen, wäre vermutlich alles
anders gekommen. Aber auch jetzt
war ich noch lange nicht so weit.
Das größte Paradoxon der Liebe ist,
dass je mehr wir versuchen, sie zu
kontrollieren oder zum Funktionieren zu
bringen, desto mehr entgleitet sie uns.
Es dauerte noch Monate bis wir
endgültig Abschied voneinander
nahmen. Sie blieb noch einige Zeit
bei mir wohnen und wir lebten
nebeneinander - nicht miteinander.
Soweit ich es beurteilen konnte, hatte
Betty keine andere Beziehung am
Start sodass ich davon ausgehe, dass
sie die Wahrheit über ihre Beweg-
gründe gebeichtet hatte. Mir sind
auch noch einige gute Gespräche,
gemeinsame Restaurantbesuche oder
Kaffeetisch-Plaudereien aus dieser
Übergangsphase in Erinnerung
geblieben, aber alle Versuche sie
umzustimmen trugen keine Früchte
bis ich es selbst irgendwann satt
hatte und zu meiner üblichen
„One or two“ night – Routine -
meiner eigenen Interpretation von
Fremdenverkehr zurückfand und
meinen Frust mit Eroberungen
kompensierte.
Es war noch ein langer, langer Weg
zurückzulegen.
Und so sind wir denn weder die, die
wir einmal waren, noch die, die wir
nun sein müssten.
Friedrich Dürrenmatt
„Vor ihr war´s schöner allein zu sein!“
Die Fantastischen Vier
Emil
„Hauptsache wir haben uns!“
Wir hatten uns - noch, einen tollen
harmonischen Sommer-; einen sich
verdunkelnden Herbst-; und ein
verstörendes Weihnachtsfest lang.
Die Erosion der Zeit nagt ständig an
uns und unserem Tun. Sie lässt nicht
zu, dass irgendetwas so bleibt wie es
ist.
Als Betty ihre Lehre beendet hatte
und nicht so recht wusste wie es jetzt
weitergehen sollte, überzeugte und
ermutigte ich sie dazu, die Berufs-
Aufbau-Schule BOS zu besuchen.
Ich hatte mir von den früheren
Gewinnen ein Motorrad gekauft.
Eine getunte Honda 500 CX Soft
Chopper. Ein Traum von einem
Motorrad mit 55 PS. Ich liebte es mit
ihr sämtliche Verkehrsregeln zu
verletzen und wenn ich mit
schwarzem Helm und Lederkombi
durch die nächtliche Stadt brauste,
fühlte ich eine gewisse Affinität
mit einigen meiner Comic-Helden.
Betty und ich verbrachten die beiden
letzten Augustwochen mit der Honda
in Italien. Eine wunderbarer Urlaub
zu zweit. Bei der Rückfahrt über den
Brennerpass gerieten wir völlig
überraschend in ein Schneegestöber,
und das im Sommer.
Nachträglich hätte man das als böses
Omen, als himmlisches Schlussfanal
als Abgesang für unsere Liebe
interpretieren können. Denn von nun
an drifteten unsere Leben, und unsere
Interessen auseinander.
Diese BOS war wirklich krass. Zwei
Drittel der Schüler überstanden die
3-monatige Probezeit nicht.Während
Betty in ihrer Schule wirklich alles
Aufbieten musste und täglich nach
dem Unterricht noch stundenlang vor
den Büchern saß um zu büffeln
(ungestört), holte mich einer meiner
alter Musiker-Kumpel, in seine neue
Formation. Am Arsch der Welt –
in Unterschleißheim hatte er uns
einen Übungsraum aufgetan.
(und Übungsräume waren ein ungeheuer
seltenes und kostbares Gut) –
.
Ich ging tagsüber arbeiten und wenn
ich nach Hause kam, saß sie vor ihren
Büchern. Da ich ihr nicht helfen
konnte und sie nur um ihre
Konzentration brachte, verließ ich
die Wohnung meist ganz schnell.
Entweder Richtung Übungsraum,
oder ich zog wieder mit der alten
Clique um die Häuser. Nur die
Wochenenden verlebten Betty und
ich noch gemeinsam.
Meistens trafen wir uns mit der
„Josie“, einer äußerst
interessanten Persönlichkeit des
Münchner Jet-Set.
Josepha von Lüdewitz, 37,
Ex Miss Germany und seinerzeit
Top-Model (bis sie aus dem Alter
raus war und ein Kind in die Welt gesetzt
hatte. Zur Zeit unserer Bekanntschaft
war sie aber immer noch als Fotomodell
gut gebucht).
Sie fristete in einer wunderschönen
Altbauwohnung in Schwabing
gemeinsam mit ihrem 5-jährigen
Sohn ein nur noch C-Promi-Dasein.
Betty und ich hatten sie über einen
gemeinsamen Bekannten kennen-
gelernt und wurden jetzt echt häufig
von ihr eingeladen. Sie rief z.B. an
um uns zu beschwören:„Hey Leute,
habt ihr am Samstag schon was vor?
Wisst ihr, da soll ich unbedingt zur
Eröffnung eines Lokals gehen. Die
Besitzer kenn ich noch von früher,
die sind echt ungemein langweilige
Spießer, aber wenn ihr beide kommt,
dann wird’s bestimmt lustig!“
Oder sie lud uns ins Schauspielhaus,
denn der dortige Intendant Kurt Meysel,
war ein enger Freund von ihr,
genauso wie Constantin Wecker,
oder Raoul, ein Kolumbianischer
Koks-Dealer, oder Mick und Muck
Flick die schwergewichtigen,
schwerreichen Schwerindustriellen,
der Kolumnist Michael Gräter zählte
ebenso zu ihren Bekannten.
Und natürlich alles, was in München
Hip war und zur Mode- und
Jet-Set-Welt gehörte.
Ihr gegenwärtiger Lover ,Torsten,
war mehr als zehn Jahre jünger als
sie. (All diese Leute waren unheimlich
oberflächlich und selbstverliebt).
Nur Raoul fand ich interessant. Mit
ihm verstand ich mich blendend. Als
er mir gestand, dass er bis zu seiner
Abreise in 2 – 3 Tagen untertauchen
muss, bot ich ihm so lange
Unterschlupf. Einem Freund zu
helfen ohne Fragen zu stellen war
für mich damals selbstverständlich.
Ich weiß nicht wie viele Kilo Koks
er dann meine knarzende Holztreppe
in der Westendstraße rauf schleppte –
ich weiß nicht wieviel Jahre Knast
mir dafür geblüht hätten, wenn das
Zeug bei mir gefunden worden wäre?
dumm? - Ja sicher … aber hey, der
Typ war in Ordnung. Ich mochte ihn.
(Mehr interessierte mich damals nicht.
Vielleicht sollte man Robin Hood, Spider-Man
oder Schauspieler wie John Wayne und
Steve McQueen für diese jugentliche
Geistesgestörtheit verantwortlich machen.
Mit Kokainkonsum hatte ich nichts zu tun –
Wobei das Zeug aber in den Kreisen, in
denen ich mich bewegte, so normal war
wie Baby-Puder)
Manchmal saßen wir auch bei Josie
in der Wohnung und diskutierten mit
Tänzern und Choreographen des
Staatsballetts über neu erschienene
Bücher. Oder wir besuchten mit ihr
zusammen „Die Klappe“, der
Künstler und Schauspielertreff mit
dem strengsten Türsteher Münchens.
Dieses Lokal, welches leider nicht
allzu lange bestand, wurde berühmt
durch das Lied der
Spider-Murphy-Gang.
Unter dem Pseudonym „Schickeria“
wurden die Zustände in dieser Bar
geschildert und stark kritisiert.
Zu recht! Aber der scharfe
Türsteher war nötig, weil in
diesem Laden das Kokain ganz
offen über den Tisch verkauft
wurde. Eingelassen wurden
ausschließlich bekannte Gesichter
und bestenfalls neue Leute auf
Empfehlung bekannter Stammgäste.
Trotzdem gingen die beiden Betreiber,
ein nettes Ehepaar, bald für ihr Drogen
-offenes Geschäftsgebahren ins
Gefängnis. Vorher durfte ich sie noch,
bei einer gemeinsam „durchzechten“
Nacht, ausgiebig kennenlernen.
Ich versichere hiermit, an Eides statt, dass
ich trotz der greifbaren Nähe zu dieser
Substanz und inflationären Gelegenheiten,
nie zum Kokain gegriffen habe.
Über die Josie erhielt Betty jetzt ihre
ersten Model-Jobs. Sie kam gut an.
Gleichzeitig bildete sich aus den
„Überlebenden“ ihrer Klasse ein
Lernzirkel mit dem sie sich des
öfteren zusammensetzte.
Je enger ihr Verhältnis zu Josie wurde,
um so weniger Interesse verspürte ich
da mitzumischen, und so verbrachten
wir immer weniger Zeit miteinander
und drifteten in verschiedene Welten
auseinander. Sie fühlte sich wohl in
dieser Jet-Set-Blase „Ich wünsch dir
noch ein geiles Leben“ während ich die
ehrlichen, geradlinigen Charaktere
meiner Freunde präferierte. Aber
wie viel Freiheit verträgt die Liebe?
Für mich stellte das alles kein
Problem dar, ich liebte sie nach wie
vor und war der Meinung, dass man
eine innige Beziehung führen, und
trotzdem nicht fortgesetzt und
permanent 24 Stunden am Tag
zusammen verbringen muss. Bei ihr
aber setzte der umgekehrte Prozess
ein, der uns zwei Jahre zuvor
zusammengeschweißt hatte.
Sie band sich an mich, als ich um sie
kämpfte und löste sich von mir, als
Sie glaubte sie rangiere bei mir nicht
mehr an erster Stelle.
Zu dieser Zeit, und mit meinen 23
Jahren konnte ich diese grausame
Kausalität nicht durchschauen.
Oder die Tatsache, dass viele Frauen
ihre festen Partner, sobald es „ernst“
wird, mit „Haut und Haar“ besitzen
wollen. Zeitraubende Hobbies und
konkurrierende Freundschaften sind
dann störend.
Bei ihr, und ihrer Vorgeschichte
mit der problematischen Vater –
Tochter Beziehung wirkten scheinbar
noch ganz andere, unterschwellige,
emotionale Gravitationen.
Der Begriff Bindungsstörung war mir
zu jener Zeit nicht geläufig.
Sie fing an, mir absichtlich weh zu
tun, versuchte mich eifersüchtig zu
machen, blieb mehrmals (ohne
Rücksprache) über Nacht bei Josie.
- Im Spätsommer (Oktober) erklärte sie
mir noch, dass sie sich vorstellen
könnte mich zu heiraten und Kinder
mit mir zu haben, - ich erwiderte,
dass wir dazu besser noch etwas
warten sollten, zumindest bis sie
ihre Schule abgeschlossen hätte -
- aber kurz nach Weihnachten teilte
sie mir mit, dass sie sich von mir
trennen will.
Zuerst konnte ich das gar nicht
glauben, da wir gerade an den
Weihnachtsfeiertagen noch ein paar
sehr harmonische Tage und Nächte
miteinander verbracht hatten. Sie
erklärte mir, dass sie der Meinung sei,
dass ich „der wohl wichtigste Mann
in ihrem Leben gewesen bin“ (und
vermutlich auch bleiben werde), dass sie
aber nur Eines kann, entweder ihre
Schule und ihr Studium fortsetzen
oder mit mir die Beziehung vertiefen
mit dem Ziel eine Familie zu gründen
und da ihr in den letzten Monaten gar
keine Wahl geblieben sei als sich auf
die erste Möglichkeit zu fokussieren
bliebe ihr jetzt konsequenterweise
nichts anderes übrig als den nächsten
Schritt zu tun. Außerdem warf sie mir
vor, sie nicht mehr zu lieben, sondern
sie nur noch besitzen zu wollen.
Peng!
So viele Theorien, Behauptungen,
Besserwisserei und Logik in Herzens-
Angelegenheiten hielt ich für unlauter
unangebracht, und beinahe abstoßend.
Für mich in höchstem Maße paradox
und sagte ihr das auch
(in weniger gewählten Worten)
es gab einen Riesen-Zoff.
Hätte ich ihr an dieser Stelle einen
ernst gemeinten Heiratsantrag
gemacht, anstatt wutentbrannt den
wunderschönen Glastisch zu
zerbrechen, wäre vermutlich alles
anders gekommen. Aber auch jetzt
war ich noch lange nicht so weit.
Das größte Paradoxon der Liebe ist,
dass je mehr wir versuchen, sie zu
kontrollieren oder zum Funktionieren zu
bringen, desto mehr entgleitet sie uns.
Es dauerte noch Monate bis wir
endgültig Abschied voneinander
nahmen. Sie blieb noch einige Zeit
bei mir wohnen und wir lebten
nebeneinander - nicht miteinander.
Soweit ich es beurteilen konnte, hatte
Betty keine andere Beziehung am
Start sodass ich davon ausgehe, dass
sie die Wahrheit über ihre Beweg-
gründe gebeichtet hatte. Mir sind
auch noch einige gute Gespräche,
gemeinsame Restaurantbesuche oder
Kaffeetisch-Plaudereien aus dieser
Übergangsphase in Erinnerung
geblieben, aber alle Versuche sie
umzustimmen trugen keine Früchte
bis ich es selbst irgendwann satt
hatte und zu meiner üblichen
„One or two“ night – Routine -
meiner eigenen Interpretation von
Fremdenverkehr zurückfand und
meinen Frust mit Eroberungen
kompensierte.
Es war noch ein langer, langer Weg
zurückzulegen.
Und so sind wir denn weder die, die
wir einmal waren, noch die, die wir
nun sein müssten.
Friedrich Dürrenmatt
„Vor ihr war´s schöner allein zu sein!“
Die Fantastischen Vier
Emil
