Betty`s Beziehungs - Paradoxon
Teil 2 „Rien ne va plus“
Paradox ist, dass der Versuch, Liebe zu
erzwingen, oft zu Ablehnung führt,
während das Annehmen der eigenen
Verletzlichkeit eine stärkere Bindung
schafft.
Wegen fortwährender Querelen
(mit unserem Sänger) und weil Betty
mich, das heißt mehr Zeit mit mir
brauchte, klinkte ich mich
vorübergehend aus der Band aus.
Die Zocker-Phase:
Als einer unserer Bekannten über
seine Erfahrungen mit dem Spiel-
Casino in Bad-Wiessee und speziell
dem sogenannten „Rentner-System“
an den Roulette-Tischen berichtete,
fing in meinem Hinterkopf eine Idee
an zu ticken. Dieses System ist ganz
einfach: Setze Betrag X auf einfache
Chancen (schwarz/rot, pair/unpair)
Vorher beobachtet man die Tische
um erst beispielsweise auf Rot zu
setzen, wenn an diesem Tisch die
Kugel bereits viermal hintereinander
in schwarzen Feldern gelandet war.
Verliert man, verdoppelt man den
Einsatz beim nächsten Spiel.
Die Wahrscheinlichkeit, dass zehn
mal hintereinander dieselbe Farbe
fällt, ist äußerst gering. Bei Gewinn
– doppelten Einsatz einstreichen.
Bei Verlust – Einsatz solange
immer wieder verdoppeln, bis
irgendwann der Gewinnfall eintritt.
Das ging mir nicht aus dem Kopf.
Ich erwarb ein kleines Roulette-Spiel
und setzte mich mit Zettel und Stift
daneben und wertete 3000 Spiele aus.
Anhand dieser Ergebnisse optimierte
ich dieses System. Ich baute es auf
Drittel-Chancen um und zog, mit
Betty, dieser großen Idee, einer noch
größeren Portion Naivität und knapp
10.000 DM Spielkapital (Auszahlung
einer Jahrelang bedienten Kapitalanlage)
in die Schlacht.
Das Selbstvertrauen es jetzt
allen zu zeigen durchpulste mich.
Einige Monate lang ging alles gut.
Wir besuchten mindestens zweimal
die Woche ein Casino in Reichweite.
Als ständiger Gewinner muss man
seine Gunst aufteilen, und nicht
immer nur eine Spielbank ausnehmen,
da man sonst riskiert, striktes
Hausverbot zu kassieren. Wir hielten
den Ball flach und gaben uns pro
Abend mit 500 - 1000 DM Gewinn
zufrieden.
Es war eine Zeit des puren Luxus.
Das leicht verdiente Geld warfen wir
mit beiden Händen zum Fenster hinaus
Wir verbrachten auch mal ein
Wochenende in Kitzbühel, eins in
Garmisch und zwei in Lindau um
in den dort ansässigen Spielkasinos
innerhalb von zwei-drei Stunden die
Unkosten eines ganzen mondänen
Hotel-Wochenendes einzuspielen.
Wie oft genossen wir dieses neidvoll,
respektvolle Raunen um uns herum,
wenn wir einen größeren Gewinn
einstrichen. Wir stiegen in den besten
Häusern ab und brachten unser leicht
verdientes Geld wieder unter die
Leute. Teure Designer-Klamotten, ein
Motorrad, Vinyl-Tonträger en masse,
Einrichtungsgegenstände usw.. .
Das alles schafften wir uns an, und
das sollte erst der Anfang sein, denn
wir glaubten das „Ei des Kolumbus“
gefunden zu haben – unser System.
Nie wieder arbeiten. Ha, wie blöd
sind doch die Anderen alle.
Insbesondere die Looser die die
Casinos bevölkern und deren Augen
oft wie Teiche der Verzweiflung
wirken.Wir waren der Überzeugung,
es würde immer so weiter gehen –
tat es aber nicht.
Das Unglück ereilte uns in der
Garmischer Spielbank. Dort kannte
man uns schon, man hatte uns im
Visier. Diese Casinos werden überaus
dicht überwacht, man registriert dort
alle, die auf irgendeine Weise auffällig
sind. Sowohl diejenigen, die ständig
gewinnen, als auch Leute die
ständig verlieren.
Die Ersteren sehen sich
rasch gewissen restriktiven
Maßnahmen, bis hin zum Hausverbot
ausgesetzt, während bei Zweiteren
die Steuerbehörden anfangen zu
schnüffeln woher das Geld kommt,
das da ständig verspielt wird, und ob
es versteuert ist. Na, eben staatliche
Spielbanken - die Wettbewerber von
der Mafia (z.B. in Las Vegas) sind
auch nicht schlimmer.
An diesem denkwürdigen Abend
jedenfalls, wurden wir spürbar
unwillig dort empfangen. Lästige,
unnötige Fragen beim Ausstellen der
Eintrittsausweise, Herumgemecker an
meiner Lederkrawatte (Ihr Outfit etwas
zu sportlich für unser Etablissement. Dabei
waren die gerade hochmodern und drei mal
so teuer wie normale Krawatten) aber
schließlich ebbte der Widerstand ab,
und wir betraten die Garmischer
Spielbank. Wir wechselten Chetons
ein und mischten uns unter die
anderen Spieler.
Wwosch - Die schon gewohnte, ganz
eigene Atmosphäre vibrierender
Unwirklichkeit schlug über unseren
Köpfen zusammen.
Bis zu diesem wegweisenden Abend
konnten wir uns rühmen, mit dem
nüchternen Bekenntnis zur absoluten
Disziplin unserem System gegenüber
der Verlockung dieser Atmosphäre
widerstanden zu haben. Sie bestand
aus Nervosität, Euphorie, ekstatischer
Erwartung, Hoffnung, Enttäuschung,
Verzweiflung. Lauter starke, spürbar
im Raum schwingende Emotionen,
welche durch das ruhige, gespielt
disziplinierte, übertrieben lässige
Verhalten der Profi-Akteure negiert
und verleugnet wird.
Surrealität, bewusst gefördert allein
schon durch die Tatsache, dass nicht
mit echtem Geld gespielt wird,
sondern mit Jetons. Purer Sauer-
stoff wird in die Räume gepumpt um
selbst den müdesten Zocker aktiv
und übermütig werden zu lassen.
Lautlos bewegt man sich auf dicken
Teppichböden. Die immer gleichen,
ruhigen, in französischer Sprache
erteilten Befehle und Ansagen der
Croupiers, das Rollen der Kugel und
schließlich das klickernde Geräusch
mit dem ebenjene Kugel über das
Schicksal der am Tisch stehenden
entscheidet, sind das Lied dieser
unwirklichen Welt.
Egal ob du verlierst oder gewinnst,
es ist vorerst bedeutungslos.
Du bist wie in Watte gepackt bis du
das Casino verlassen hast.
Die Realität überfällt dich erst
wenn du das Spielgeld umtauschst,
oder nichts mehr zum Umtauschen
bei dir hast.
Vier Tische waren in Betrieb und wir
teilten uns auf, um die Ergebnisse
dieser Tische zu überwachen. Unser
System sah vor, auf eine Zahlen-
Konstellation zu warten, bei der an
einem Tisch viermal hintereinander
eine Reihe, oder ein Zahlendrittel
gefallen war. Das konnte unter
Umständen sehr lange dauern, oder
an mehreren Tischen gleichzeitig
passieren.
Wir setzten dann auf die beiden
anderen Drittel. Wir begannen stets
mit einem 50 DM Einsatz jeweils
und mussten im Verlustfall für das
nächste Spiel verdreifachen.
100/300/900/2700 das war die Grenze,
die wir noch nie erreicht hatten und
die zu überschreiten unser System
verbot. Sollte also - (was noch nie
eingetreten war – weder in den 3000
Spielen meiner Auswertung – noch in den
Monaten unserer Spielbankerfahrung)
der Tag kommen, an dem achtmal
in Serie das gleiche Drittel gespielt
wird, sah unser System vor, diese
4000 DM Verlust hinzunehmen und
wieder von vorne zu beginnen.
Als wir an diesem Abend genau damit
konfrontiert wurden, sahen wir uns
außerstande unseren eigenen Vorgaben
Folge zu leisten und verdreifachten
unseren Einsatz ein weiteres Mal.
Die Kugel fiel auf „Zero“.
Dem Croupier entschlüpfte
ein Grinsen und wir verließen das
Casino knapp 13.000 DM leichter
und folglich ohne das erforderliche
Kapital, um unser Spielsystem neu
starten und fortsetzen zu können.
Als wir im Auto saßen, langsam aus
unserer Betäubung erwachend, sagte
Betty etwas Banales, das mir aber als
überaus wertvoll in Erinnerung
geblieben ist, weil es zwar banal, aber
in diesem Moment ungeheuer tief
empfunden war. Sie sagte:
„Ach scheiß drauf,
Hauptsache wir haben uns!“
Und ich verlor den Glauben an die
„wunderbare Leichtigkeit des Seins“
in Form eines stressfreien Gewinn-
systems das, meiner eigenen
Genialität entsprungen, eigene Arbeit
völlig unnötig macht.
Wenn man aber nicht an Wunder
glaubt, können sie auch nicht
passieren. Was ich bisher verdrängt
hatte brach sich in meinem Kopf nun
ebenfalls Bahn. Nämlich der Verdacht,
dass die Kugel wenn sie rollt, keine
Rücksicht auf Wahrscheinlichkeiten
nimmt. Diesem runden Stück Metall
ist es vollkommen egal, auch wenn es
100 mal hintereinander in die selbe
Zahl rollt, weil es keinerlei
Vorlieben hegt und keinerlei
Erinnerung an das vorangegangene
Spiel besitzt.
All diese bisher verleugneten
Gewissheiten bauten sich jetzt vor
mir auf. Hatten wir bis dato nur
Glück gehabt? Letztlich konnte
ich mich dem Verdacht gezielter
(Zero-) Manipulation von Casino-
Seite auch nicht ganz entziehen.
Dieser grinsende Croupier erschien
mir in Albträumen. Also Schluss !
Und - scheiß drauf,
Hauptsache wir haben uns.
Emil
Paradox ist, dass der Versuch, Liebe zu
erzwingen, oft zu Ablehnung führt,
während das Annehmen der eigenen
Verletzlichkeit eine stärkere Bindung
schafft.
Wegen fortwährender Querelen
(mit unserem Sänger) und weil Betty
mich, das heißt mehr Zeit mit mir
brauchte, klinkte ich mich
vorübergehend aus der Band aus.
Die Zocker-Phase:
Als einer unserer Bekannten über
seine Erfahrungen mit dem Spiel-
Casino in Bad-Wiessee und speziell
dem sogenannten „Rentner-System“
an den Roulette-Tischen berichtete,
fing in meinem Hinterkopf eine Idee
an zu ticken. Dieses System ist ganz
einfach: Setze Betrag X auf einfache
Chancen (schwarz/rot, pair/unpair)
Vorher beobachtet man die Tische
um erst beispielsweise auf Rot zu
setzen, wenn an diesem Tisch die
Kugel bereits viermal hintereinander
in schwarzen Feldern gelandet war.
Verliert man, verdoppelt man den
Einsatz beim nächsten Spiel.
Die Wahrscheinlichkeit, dass zehn
mal hintereinander dieselbe Farbe
fällt, ist äußerst gering. Bei Gewinn
– doppelten Einsatz einstreichen.
Bei Verlust – Einsatz solange
immer wieder verdoppeln, bis
irgendwann der Gewinnfall eintritt.
Das ging mir nicht aus dem Kopf.
Ich erwarb ein kleines Roulette-Spiel
und setzte mich mit Zettel und Stift
daneben und wertete 3000 Spiele aus.
Anhand dieser Ergebnisse optimierte
ich dieses System. Ich baute es auf
Drittel-Chancen um und zog, mit
Betty, dieser großen Idee, einer noch
größeren Portion Naivität und knapp
10.000 DM Spielkapital (Auszahlung
einer Jahrelang bedienten Kapitalanlage)
in die Schlacht.
Das Selbstvertrauen es jetzt
allen zu zeigen durchpulste mich.
Einige Monate lang ging alles gut.
Wir besuchten mindestens zweimal
die Woche ein Casino in Reichweite.
Als ständiger Gewinner muss man
seine Gunst aufteilen, und nicht
immer nur eine Spielbank ausnehmen,
da man sonst riskiert, striktes
Hausverbot zu kassieren. Wir hielten
den Ball flach und gaben uns pro
Abend mit 500 - 1000 DM Gewinn
zufrieden.
Es war eine Zeit des puren Luxus.
Das leicht verdiente Geld warfen wir
mit beiden Händen zum Fenster hinaus
Wir verbrachten auch mal ein
Wochenende in Kitzbühel, eins in
Garmisch und zwei in Lindau um
in den dort ansässigen Spielkasinos
innerhalb von zwei-drei Stunden die
Unkosten eines ganzen mondänen
Hotel-Wochenendes einzuspielen.
Wie oft genossen wir dieses neidvoll,
respektvolle Raunen um uns herum,
wenn wir einen größeren Gewinn
einstrichen. Wir stiegen in den besten
Häusern ab und brachten unser leicht
verdientes Geld wieder unter die
Leute. Teure Designer-Klamotten, ein
Motorrad, Vinyl-Tonträger en masse,
Einrichtungsgegenstände usw.. .
Das alles schafften wir uns an, und
das sollte erst der Anfang sein, denn
wir glaubten das „Ei des Kolumbus“
gefunden zu haben – unser System.
Nie wieder arbeiten. Ha, wie blöd
sind doch die Anderen alle.
Insbesondere die Looser die die
Casinos bevölkern und deren Augen
oft wie Teiche der Verzweiflung
wirken.Wir waren der Überzeugung,
es würde immer so weiter gehen –
tat es aber nicht.
Das Unglück ereilte uns in der
Garmischer Spielbank. Dort kannte
man uns schon, man hatte uns im
Visier. Diese Casinos werden überaus
dicht überwacht, man registriert dort
alle, die auf irgendeine Weise auffällig
sind. Sowohl diejenigen, die ständig
gewinnen, als auch Leute die
ständig verlieren.
Die Ersteren sehen sich
rasch gewissen restriktiven
Maßnahmen, bis hin zum Hausverbot
ausgesetzt, während bei Zweiteren
die Steuerbehörden anfangen zu
schnüffeln woher das Geld kommt,
das da ständig verspielt wird, und ob
es versteuert ist. Na, eben staatliche
Spielbanken - die Wettbewerber von
der Mafia (z.B. in Las Vegas) sind
auch nicht schlimmer.
An diesem denkwürdigen Abend
jedenfalls, wurden wir spürbar
unwillig dort empfangen. Lästige,
unnötige Fragen beim Ausstellen der
Eintrittsausweise, Herumgemecker an
meiner Lederkrawatte (Ihr Outfit etwas
zu sportlich für unser Etablissement. Dabei
waren die gerade hochmodern und drei mal
so teuer wie normale Krawatten) aber
schließlich ebbte der Widerstand ab,
und wir betraten die Garmischer
Spielbank. Wir wechselten Chetons
ein und mischten uns unter die
anderen Spieler.
Wwosch - Die schon gewohnte, ganz
eigene Atmosphäre vibrierender
Unwirklichkeit schlug über unseren
Köpfen zusammen.
Bis zu diesem wegweisenden Abend
konnten wir uns rühmen, mit dem
nüchternen Bekenntnis zur absoluten
Disziplin unserem System gegenüber
der Verlockung dieser Atmosphäre
widerstanden zu haben. Sie bestand
aus Nervosität, Euphorie, ekstatischer
Erwartung, Hoffnung, Enttäuschung,
Verzweiflung. Lauter starke, spürbar
im Raum schwingende Emotionen,
welche durch das ruhige, gespielt
disziplinierte, übertrieben lässige
Verhalten der Profi-Akteure negiert
und verleugnet wird.
Surrealität, bewusst gefördert allein
schon durch die Tatsache, dass nicht
mit echtem Geld gespielt wird,
sondern mit Jetons. Purer Sauer-
stoff wird in die Räume gepumpt um
selbst den müdesten Zocker aktiv
und übermütig werden zu lassen.
Lautlos bewegt man sich auf dicken
Teppichböden. Die immer gleichen,
ruhigen, in französischer Sprache
erteilten Befehle und Ansagen der
Croupiers, das Rollen der Kugel und
schließlich das klickernde Geräusch
mit dem ebenjene Kugel über das
Schicksal der am Tisch stehenden
entscheidet, sind das Lied dieser
unwirklichen Welt.
Egal ob du verlierst oder gewinnst,
es ist vorerst bedeutungslos.
Du bist wie in Watte gepackt bis du
das Casino verlassen hast.
Die Realität überfällt dich erst
wenn du das Spielgeld umtauschst,
oder nichts mehr zum Umtauschen
bei dir hast.
Vier Tische waren in Betrieb und wir
teilten uns auf, um die Ergebnisse
dieser Tische zu überwachen. Unser
System sah vor, auf eine Zahlen-
Konstellation zu warten, bei der an
einem Tisch viermal hintereinander
eine Reihe, oder ein Zahlendrittel
gefallen war. Das konnte unter
Umständen sehr lange dauern, oder
an mehreren Tischen gleichzeitig
passieren.
Wir setzten dann auf die beiden
anderen Drittel. Wir begannen stets
mit einem 50 DM Einsatz jeweils
und mussten im Verlustfall für das
nächste Spiel verdreifachen.
100/300/900/2700 das war die Grenze,
die wir noch nie erreicht hatten und
die zu überschreiten unser System
verbot. Sollte also - (was noch nie
eingetreten war – weder in den 3000
Spielen meiner Auswertung – noch in den
Monaten unserer Spielbankerfahrung)
der Tag kommen, an dem achtmal
in Serie das gleiche Drittel gespielt
wird, sah unser System vor, diese
4000 DM Verlust hinzunehmen und
wieder von vorne zu beginnen.
Als wir an diesem Abend genau damit
konfrontiert wurden, sahen wir uns
außerstande unseren eigenen Vorgaben
Folge zu leisten und verdreifachten
unseren Einsatz ein weiteres Mal.
Die Kugel fiel auf „Zero“.
Dem Croupier entschlüpfte
ein Grinsen und wir verließen das
Casino knapp 13.000 DM leichter
und folglich ohne das erforderliche
Kapital, um unser Spielsystem neu
starten und fortsetzen zu können.
Als wir im Auto saßen, langsam aus
unserer Betäubung erwachend, sagte
Betty etwas Banales, das mir aber als
überaus wertvoll in Erinnerung
geblieben ist, weil es zwar banal, aber
in diesem Moment ungeheuer tief
empfunden war. Sie sagte:
„Ach scheiß drauf,
Hauptsache wir haben uns!“
Und ich verlor den Glauben an die
„wunderbare Leichtigkeit des Seins“
in Form eines stressfreien Gewinn-
systems das, meiner eigenen
Genialität entsprungen, eigene Arbeit
völlig unnötig macht.
Wenn man aber nicht an Wunder
glaubt, können sie auch nicht
passieren. Was ich bisher verdrängt
hatte brach sich in meinem Kopf nun
ebenfalls Bahn. Nämlich der Verdacht,
dass die Kugel wenn sie rollt, keine
Rücksicht auf Wahrscheinlichkeiten
nimmt. Diesem runden Stück Metall
ist es vollkommen egal, auch wenn es
100 mal hintereinander in die selbe
Zahl rollt, weil es keinerlei
Vorlieben hegt und keinerlei
Erinnerung an das vorangegangene
Spiel besitzt.
All diese bisher verleugneten
Gewissheiten bauten sich jetzt vor
mir auf. Hatten wir bis dato nur
Glück gehabt? Letztlich konnte
ich mich dem Verdacht gezielter
(Zero-) Manipulation von Casino-
Seite auch nicht ganz entziehen.
Dieser grinsende Croupier erschien
mir in Albträumen. Also Schluss !
Und - scheiß drauf,
Hauptsache wir haben uns.
Emil
