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Gott und die welt

Fangen wir mit der Welt an.
In unserer Kindheit leben wir im
illustren Glanz der Unsterblichkeit;
es gibt nur Gut und Böse und der
Himmel ist uns so nahe wie der
Sandstrand dem Meer. Es gibt keine
komplizierten Details denn die Welt
funktioniert nach klaren Gesetzen:
Der liebe Gott ist gnädig, die
Erwachsenen wissen die Antwort auf
alle Fragen, es gibt so etwas wie
Wahrheit und Gerechtigkeit, so
unfehlbar, zuverlässig und präsent
wie das Amen in der Kirche.

Aber jeder Bissen vom Apfel der
Erkenntnis treibt uns Stück für Stück
aus diesem Paradies der Naivität.

Wittgenstein, der Philosoph fragte
einst einen Bekannten:“Warum hielten
es die Menschen so lange für ganz
natürlich, dass die Sonne um die
Erde kreist?“ Als Antwort erhielt er:
„Es hat eben den Anschein, dass sich
die Sonne um die Erde dreht.“
Worauf Wittgenstein erwiderte: „Wie
hätte es denn ausgesehen, wenn es
den Anschein gehabt hätte, dass sich
die Erde um die Sonne dreht?“

Was folgern wir daraus?
Nicht die Fehler in unserer Logik
verursachen manche Denk-Irrtümer,
sondern einseitige Wahrnehmungen.

Um herauszufinden, ob die Vorstellung
die wir uns von der Welt machen auch
der Wirklichkeit entspricht, muss sie
nachgeprüft werden. Genau das ist der
fundamentale Zweck von Wissenschaft.

SCIENCE

Es heißt, die moderne Wissenschaft
produziert keine Dogmen.
Alle Theorien oder Erkenntnisse,
die in praktischen, empirischen
oder synthetischen Versuchen
Bestätigung erfuhren, können von
neuen Entdeckungen, Fakten und
Berechnungen anderer
Wissenschaftler oder moderneren
Erforschungsmethoden jederzeit in
Frage gestellt, korrigiert,
erweitert oder verworfen werden.

Dies sollte in der Physik auch für
umfassende Theorien wie die
Gravitationstheorie oder die
Relativitätstheorie gelten
denn auch
ein Einstein hatte nicht immer Recht.
Aber dabei sind die Physiker uneinig
und neue Theorien & Spekulationen
schwer beweisbar.

Wir Menschen sind uns doch recht
ähnlich. Haben wir einmal die
essenziellen Knackpunkte des
Lebens:
Essen/Wohnen/Partner/Kinder
gelöst oder verworfen, scheint es für
uns das Vordringlichste zu sein,
Gründe zu finden
(oder zu erfinden)
um uns anders als die anderen –
dieser dumpfen Bourgeoisie
überlegen - fühlen zu können.

Wenn Wissenschaftler das tun,
agieren sie beharrlich und kreativ
in dem Bemühen neue Erkenntnisse
und Theorien zu generieren und zu
untermauern. Dabei stricken sie gern
ein wenig an der Beweisführung.
Man muss da also schon ganz genau
hinschauen.

Main-stream war noch nie mein Fall.
Wissenschaftlicher Main-stream
macht mich misstrauisch
. Ebenso wie
Forschungsberichte die aufgrund der
verschachtelten Syntax und hoch
komplizierten Formulierungen in
vielen Bereichen undeutlich bleiben
und zu Interpretationen einladen.
Physiker oder andere selbstverliebte
Spitzenwissenschaftler welche zu
Brain-Superstars mit Medienpräsenz
mutieren, verlieren bei mir ihre
Glaubwürdigkeit.
Auch hohes Alter und nahender Tod
verdirbt meist die streng
wissenschaftliche Sichtweise
zugunsten mystischer Spekulation.

Also ähnlich wie in der Philosophie ist es wohl
am besten massenhaft Thesen, Berichte,
Vorstellungen und Erklärungen
zu bestimmten Theorien
zu konsumieren um einen Überblick
über die Darstellungs-Bandbreite
physikalischer Spekulationen zu
gewinnen und sich aus der
Meinungsvielfalt und den vielen
partiellen Erkenntnissen eine eigene,
im Idealfall vernünftige, zusammen-
passende Sicht der Dinge zu
generieren.

Was nun folgt, ist meine Sicht der
Dinge und natürlich keine
naturwissenschaftliche Offenbarung,
denn dafür fehlt mir die nötige
Erkenntnisdichte. Die nachfolgenden
Beiträge wissenschaftlicher
Publikationen wurden von mir nicht
verfasst, sondern lediglich
zusammengetragen und ausgewählt –
um mit meiner Moderation und den
Kommentaren – den geduldigen
Leser in eine bestimmte Richtung zu
schubsen.

Die Glaubwürdigkeit der Beiträge im
Gesamten ziehe ich nicht in Zweifel,
mögen einzelne Details der zitierten
Publikationen auch möglicherweise
etwas überspitzt dargestellt sein.

Also an`s Werk:

Zunächst zur populär-
wissenschaftlichen Darstellung allen
Anfangs

1. -DER URKNALL,
und
2. -ALLES WEITERE.

Zu 1 * Urknall -
BUMM
Zu 2 * für alles Weitere lasse ich
George Coyne zu Wort kommen, der
die universelle Evolution aus einer
plausiblen, wissenschaftlichen Sicht
der Dinge wie folgt dargestellt hat:

Unsere Milchstraße hat, wie die meisten
anderen Spiralgalaxien einen Durchmesser
von 100 000 Lichtjahren und enthält fast
100 Milliarden Sterne. Sie hat mehrere
wunderschöne Spiralarme.
Die Sonne befindet sich in einem der
äußeren Arme. Ihr Abstand vom Kern
unserer Galaxis beträgt 2/3 ihres Radius.
In unserer Milchstraße und in anderen ihr
ähnlichen Galaxien werden Sterne
geboren.
Wie ein Stern geboren wird lässt sich
durch physikalische Gesetze erklären.
Eine Gas- und Staubwolke, die etwa das
100 bis 1000fache der Masse unserer
Sonne enthält, wird durch eine
Supernovaexplosion oder etwas Ähnliches
erschüttert. Dabei kommt es zu einem
Wechselspiel
zwischen dem magnetischen
Feld und dem Gravitationsfeld.

Die Wolke beginnt zu zerbersten, und
große Teile davon beginnen zu
kollabieren. Wenn Gas kollabiert, erhitzt
es sich – wenn es sich ausdehnt, kühlt
es ab. Während es sich verdichtet
gewinnt es an Masse und wenn die
Masse so groß ist, dass die innere
Temperatur Millionen Grad erreicht wird
ein thermonuklearer Ofen in Gang
gesetzt. Ein Stern ist geboren.
Thermonukleare Energie ist die Quelle,
mit deren Hilfe ein Stern Strahlen ins
Universum aussendet.

Sterne sterben auch. Am Ende seines
Lebens kann ein Stern seine
thermonuklearen Prozesse nicht mehr
aufrechterhalten und kann daher auch
der Schwerkraft nichts mehr
entgegensetzen. Er kollabiert ein letztes
Mal, explodiert und stößt seine äußere
Gashülle in das Universum ab.

Sterne werden also geboren und Sterne
sterben. Wenn sie sterben, speien sie das
übrige Sternmaterial ins Universum.
Damit
die chemischen Elemente entstehen
konnten, aus denen sich der menschliche
Körper zusammensetzt, bedurfte es dreier
Sternengenerationen.

Eine spätere Generation von Sternen
entsteht aus dem Material, das von einer
früheren Sternengeneration ausgespien
wurde. Hervorzuheben ist, dass die
nachfolgende Sternengeneration aus dem
Material entstand, das in einem
thermonuklearem Ofen entstand.
Der Stern lebte, solange er Wasserstoff in
Helium, Helium in Kohlenstoff, und wenn
er massereich genug war, Kohlenstoff in
Sauerstoff und Sauerstoff in Stickstoff
umwandelte, bis am Ende Eisen entstand.

Solange ein Stern lebt, wandelt er leichtere
Elemente in schwerere Elemente um. Auf
diese Weise erhalten wir Kohlenstoff,
Silizium und die anderen Elemente, die für
den Aufbau unseres Körpers erforderlich
sind.
Geburt und Tod von Sternen sind also
offenkundig für uns von großer Bedeutung.
Aus diesem ganzen Prozess, der um einen
Stern zentriert ist, den wir Sonne nennen,
entstand eine Gruppe von Planeten und
unter ihnen das galaktische Sandkorn
das wir Erde nennen.

Douglas Adams parodiert dieses
Szenario
(in „Per Anhalter durch die Galaxis)
wie folgt:

Weit draußen in den unerforschten
Einöden eines total aus der Mode
gekommenen Ausläufer des westlichen
Spiralarms der Galaxis, leuchtet
unbeachtet eine kleine gelbe Sonne.
Um sie kreist in einer Entfernung von
ungefähr achtundneunzig Millionen
Meilen ein absolut unbedeutender, kleiner
blau-grüner Planet, dessen vom Affen
abstammende Bioformen so erstaunlich
primitiv sind, dass sie Digitaluhren noch
immer für eine unwahrscheinlich tolle
Erfindung halten.

Fortsetzung folgt

Emil