Gott und die welt
Teil VII
„Der Stoff des Universums ist der
Gedanke“! Sagt Eddington
Und Hans-Peter Dürr fragt:
“Was war zuerst, das Ding
oder die Idee vom Ding?
Erschaffen die Dinge unser Denken
- indem wir uns an ihnen orientieren,
sie gleichsam „in unsere geistige Welt
integrieren“) -
oder erschafft unser Denken die Dinge
- weil wir nur das in der Außenwelt
erkennen können, von dem wir in uns
schon eine Vorstellung tragen?
Sind wir selbst die Erbauer unserer
Realität?
Ähnliche Erkenntnisse, aus einer
ganz anderen Ecke der Wissenschaft
scheinen die Publikationen Esfelds
und anderer zu stützen:
Donald D. Hoffman
( Professor für Psychologie am Institut für
Bewusstseinsforschung, Neurologe und
Erforscher virtueller Realitäten an der
Universität Kalifornien) schreibt dazu:
Ich beginne mit der menschlichen
Wahrnehmung, insbesondere der
visuellen Wahrnehmung, die die
Möglichkeiten und Grenzen von Wissen-
schaft aufzeigen wird. Die meisten von
uns denken, ohne eine bestimmte
Theorie zu haben, dass das menschliche
Auge ganz ähnlich wie eine Kamera
funktioniert. Außerhalb von uns gibt es
eine objektive, physische Welt, die
unabhängig davon existiert, ob wir sie
wahrnehmen oder nicht, und unsere
Augen nehmen diese Welt naturgetreu
wie eine Kamera auf. Zum Teil stimmt
das. Unsere Augen fixieren ein Bild, so
wie auch eine Kamera verfährt, und die
Netzhaut nimmt dieses Bild auf, wie der
Film oder der CCD-Chip einer Kamera.
Aber unsere Augen sind nur die erste
Stufe der visuellen Verarbeitung. Hinter
den Augen transportieren Sehnerven
eine gefilterte Version der Netzhautbilder
an die Gehirnrinde. Und hier wartet eine
große Überraschung: Fast die Hälfte der
gesamten Hirnrinde ist mit Sehen
beschäftigt. Um die 50 Milliarden
Neuronen und rund eine Billion Synapsen
treten jedes Mal in Aktion, wenn wir
einfach unsere Augen öffnen und uns
umschauen.
Das ist eine bei Weitem höhere Rechen-
leistung, als sie für die bloße Aufnahme
eines Bildes erforderlich ist.
Was geht hier vor?
Die Forschung der Bewusstseins- und
Neurowissenschaften hat herausge-
funden, dass unsere visuellen Systeme
nicht einfach passive Aufzeichner der
objektiven Realität sind, sondern statt
dessen aktive Konstrukteure der
visuellen Realitäten, die wir wahrnehmen.
In jedem von uns steckt eine Realitäts-
maschine, die die Bilder vom Auge
aufnimmt und dreidimensionale Welten
aus Objekten, Farben, Strukturen,
Bewegungen und Tiefe konstruiert. Was
wir mit jedem Blick sehen, ist nicht, wie
die Welt objektiv ist und wie sie auch
ohne einen Betrachter wäre.
Stattdessen sehen wir ganz und gar
unsere eigene Konstruktion. Der Prozess
der Konstruktion läuft so schnell und
zuverlässig ab, dass wir von der eigenen
Leistungsfähigkeit in die Irre geführt
werden und denken, dass einfach nur
das übertragen wird, was unabhängig von
uns existiert. Kurz gesagt, unser Glaube,
dass wir die Welt objektiv wahrnehmen,
ist schlicht und einfach eine Illusion, die
durch die Brillanz und Effektivität unseres
realitätsschaffenden Prozesses
ermöglicht wird.
Was wir jeden Augenblick sehen, ist die
beste Theorie, die unser visuelles System
liefern kann, um die Bilder des Auges zu
erklären. Dies geschieht nicht willkürlich
oder zufällig, denn das visuelle System
befolgt vielmehr viele Regeln der
Konstruktion welche derzeit Gegenstand
wissenschaftlicher Forschungen sind.
Was für unsere Augen gilt, gilt für alle
unsere Sinne, einschließlich Tasten,
Riechen, Schmecken und Hören.
Durch all diese Sinne nehmen wir nicht
einfach die Realität wahr, sondern wir
konstruieren sie nach unseren Regeln.
Wir sind Schöpfer aller sinnlichen
Wirklichkeiten, die wir erfahren.
Welch ein Licht wirft das auf das
Unternehmen Wissenschaft?
Die Wissenschaft ruht auf zwei Säulen:
Beobachtung und Logik. Der Erfolg der
Wissenschaft liegt in der sorgfältigen
Durchführung detaillierter Beobachtung
und in der logischen Interpretation der
Ergebnisse dieser Beobachtungen.
Aber die Erforschung der Wahrnehmung
hat ergeben, dass unsere Beobachtung
immer nur auf das beschränkt bleibt,
was uns unsere inneren Regeln der
Konstruktion wahrzunehmen gestatten,
ganz gleich wie sorgfältig unsere
Beobachtungen sind. Selbst wenn wir
unsere Sinne mit Teleskopen,
Mikroskopen und anderen Hi-Tech-
Geräten erweitern können wir niemals
außerhalb unserer Sinne treten und die
Realität unverstellt sehen. Dieselben
Regeln, die uns zu sehen ermöglichen,
machen uns auch blind für andere
Möglichkeiten, die nicht mit unseren
Regeln konform sind.
Dies macht deutlich, dass die Fähigkeit
der Wissenschaft, die objektive Realität
zu verstehen, von den Apparaten (Sinnen)
unserer Spezies zur Wahrnehmung und
Kognition begrenzt sind. Diese Apparate
haben sich gemäß der neo-darwinistischen
Evolutionslehre nicht entwickelt um uns
die Wahrheit zu vermitteln, sondern
lediglich, um uns das Überleben zwecks
Reproduktion zu ermöglichen.
Wir können auf die vielen Erfolge der
Wissenschaft verweisen, um zu
suggerieren, dass unsere Spezies
vielleicht doch etwas besonderes ist,
dass unser Wahrnehmungsapparat
uns vielleicht doch die wahren Einblicke
in die Natur gewährt, aber wir können
auch auf genau dieselben Punkte
verweisen um das Gegenteil zu belegen.
Dieselbe Botschaft findet sich
wiederholt auch anderswo in der
Wissenschaft, zum Beispiel in der
Unschärferelation und den
Messproblemen der Quantentheorie.
REALITÄT
Ich glaube nicht, dass „Die Realität“
uns allen völlig gleich begegnet und
völlig identisch wahrgenommen
wird. Genauso wie beispielsweise
ein Hund die Welt ganz anders erlebt
und es „die Wahrheit“ ebenfalls als
universelle Singularität nicht gibt, da
man mit immens vielen unterschied-
lichen Betrachtungsweisen,
Befangenheiten und Selbsttäusch-
ungen an ein und denselben Vorgang
herangehen kann. Genauso ergeht es
uns mit der Realität.
Subjektive Wahrnehmung!!
Unsere Sinnesorgane vermitteln uns
nur ein ungenügendes oder falsches
Bild auf die Dimensionen des uns
Umgebenden. Die Lücken füllen wir
kognitiv. Das heißt da, wo unsere
Sinneswahrnehmung ungenügend,
lückenhaft erscheint, schaltet sich
unser Gehirn ein und komplettiert
die Szene. Unsere Realität ist in
weiten Teilen ein Produkt unseres
Verstandes und genauso wenig
solide wie eine Filmkulisse. Allein
deshalb schon erscheint es mir
höchst unwahrscheinlich, dass
jedem von uns „res extensa“
(das Umfeld des Menschen)
haargenau gleich erscheint.
Das alles sieht gar nicht gut aus, für
unser (trotz Wissenschaft immer noch
viel zu naives) konservatives Weltbild.
Und wo bleibt Gott?
Stephen Hawking postuliert zwar
gerne, dass Götter im Weltbild des
Menschen immer die Wissenslücken
besetzt hielten und von der
Wissenschaft immer weiter in die
Reservate der „unendlichen Weiten“
zurückgedrängt wurden. Aber
andererseits bezieht er sich immer
wieder auf das Wirken Gottes im
Universum. Und damit ist er beileibe
nicht der einzige Spitzenwissen-
schaftler. Es scheint, als ob beim
Schließen der Wissenslücken, und
dem Zurückdrängen der Götter
sich immer neue Lücken auftun.
Fortsetzung folgt.
Emil
Gedanke“! Sagt Eddington
Und Hans-Peter Dürr fragt:
“Was war zuerst, das Ding
oder die Idee vom Ding?
Erschaffen die Dinge unser Denken
- indem wir uns an ihnen orientieren,
sie gleichsam „in unsere geistige Welt
integrieren“) -
oder erschafft unser Denken die Dinge
- weil wir nur das in der Außenwelt
erkennen können, von dem wir in uns
schon eine Vorstellung tragen?
Sind wir selbst die Erbauer unserer
Realität?
Ähnliche Erkenntnisse, aus einer
ganz anderen Ecke der Wissenschaft
scheinen die Publikationen Esfelds
und anderer zu stützen:
Donald D. Hoffman
( Professor für Psychologie am Institut für
Bewusstseinsforschung, Neurologe und
Erforscher virtueller Realitäten an der
Universität Kalifornien) schreibt dazu:
Ich beginne mit der menschlichen
Wahrnehmung, insbesondere der
visuellen Wahrnehmung, die die
Möglichkeiten und Grenzen von Wissen-
schaft aufzeigen wird. Die meisten von
uns denken, ohne eine bestimmte
Theorie zu haben, dass das menschliche
Auge ganz ähnlich wie eine Kamera
funktioniert. Außerhalb von uns gibt es
eine objektive, physische Welt, die
unabhängig davon existiert, ob wir sie
wahrnehmen oder nicht, und unsere
Augen nehmen diese Welt naturgetreu
wie eine Kamera auf. Zum Teil stimmt
das. Unsere Augen fixieren ein Bild, so
wie auch eine Kamera verfährt, und die
Netzhaut nimmt dieses Bild auf, wie der
Film oder der CCD-Chip einer Kamera.
Aber unsere Augen sind nur die erste
Stufe der visuellen Verarbeitung. Hinter
den Augen transportieren Sehnerven
eine gefilterte Version der Netzhautbilder
an die Gehirnrinde. Und hier wartet eine
große Überraschung: Fast die Hälfte der
gesamten Hirnrinde ist mit Sehen
beschäftigt. Um die 50 Milliarden
Neuronen und rund eine Billion Synapsen
treten jedes Mal in Aktion, wenn wir
einfach unsere Augen öffnen und uns
umschauen.
Das ist eine bei Weitem höhere Rechen-
leistung, als sie für die bloße Aufnahme
eines Bildes erforderlich ist.
Was geht hier vor?
Die Forschung der Bewusstseins- und
Neurowissenschaften hat herausge-
funden, dass unsere visuellen Systeme
nicht einfach passive Aufzeichner der
objektiven Realität sind, sondern statt
dessen aktive Konstrukteure der
visuellen Realitäten, die wir wahrnehmen.
In jedem von uns steckt eine Realitäts-
maschine, die die Bilder vom Auge
aufnimmt und dreidimensionale Welten
aus Objekten, Farben, Strukturen,
Bewegungen und Tiefe konstruiert. Was
wir mit jedem Blick sehen, ist nicht, wie
die Welt objektiv ist und wie sie auch
ohne einen Betrachter wäre.
Stattdessen sehen wir ganz und gar
unsere eigene Konstruktion. Der Prozess
der Konstruktion läuft so schnell und
zuverlässig ab, dass wir von der eigenen
Leistungsfähigkeit in die Irre geführt
werden und denken, dass einfach nur
das übertragen wird, was unabhängig von
uns existiert. Kurz gesagt, unser Glaube,
dass wir die Welt objektiv wahrnehmen,
ist schlicht und einfach eine Illusion, die
durch die Brillanz und Effektivität unseres
realitätsschaffenden Prozesses
ermöglicht wird.
Was wir jeden Augenblick sehen, ist die
beste Theorie, die unser visuelles System
liefern kann, um die Bilder des Auges zu
erklären. Dies geschieht nicht willkürlich
oder zufällig, denn das visuelle System
befolgt vielmehr viele Regeln der
Konstruktion welche derzeit Gegenstand
wissenschaftlicher Forschungen sind.
Was für unsere Augen gilt, gilt für alle
unsere Sinne, einschließlich Tasten,
Riechen, Schmecken und Hören.
Durch all diese Sinne nehmen wir nicht
einfach die Realität wahr, sondern wir
konstruieren sie nach unseren Regeln.
Wir sind Schöpfer aller sinnlichen
Wirklichkeiten, die wir erfahren.
Welch ein Licht wirft das auf das
Unternehmen Wissenschaft?
Die Wissenschaft ruht auf zwei Säulen:
Beobachtung und Logik. Der Erfolg der
Wissenschaft liegt in der sorgfältigen
Durchführung detaillierter Beobachtung
und in der logischen Interpretation der
Ergebnisse dieser Beobachtungen.
Aber die Erforschung der Wahrnehmung
hat ergeben, dass unsere Beobachtung
immer nur auf das beschränkt bleibt,
was uns unsere inneren Regeln der
Konstruktion wahrzunehmen gestatten,
ganz gleich wie sorgfältig unsere
Beobachtungen sind. Selbst wenn wir
unsere Sinne mit Teleskopen,
Mikroskopen und anderen Hi-Tech-
Geräten erweitern können wir niemals
außerhalb unserer Sinne treten und die
Realität unverstellt sehen. Dieselben
Regeln, die uns zu sehen ermöglichen,
machen uns auch blind für andere
Möglichkeiten, die nicht mit unseren
Regeln konform sind.
Dies macht deutlich, dass die Fähigkeit
der Wissenschaft, die objektive Realität
zu verstehen, von den Apparaten (Sinnen)
unserer Spezies zur Wahrnehmung und
Kognition begrenzt sind. Diese Apparate
haben sich gemäß der neo-darwinistischen
Evolutionslehre nicht entwickelt um uns
die Wahrheit zu vermitteln, sondern
lediglich, um uns das Überleben zwecks
Reproduktion zu ermöglichen.
Wir können auf die vielen Erfolge der
Wissenschaft verweisen, um zu
suggerieren, dass unsere Spezies
vielleicht doch etwas besonderes ist,
dass unser Wahrnehmungsapparat
uns vielleicht doch die wahren Einblicke
in die Natur gewährt, aber wir können
auch auf genau dieselben Punkte
verweisen um das Gegenteil zu belegen.
Dieselbe Botschaft findet sich
wiederholt auch anderswo in der
Wissenschaft, zum Beispiel in der
Unschärferelation und den
Messproblemen der Quantentheorie.
REALITÄT
Ich glaube nicht, dass „Die Realität“
uns allen völlig gleich begegnet und
völlig identisch wahrgenommen
wird. Genauso wie beispielsweise
ein Hund die Welt ganz anders erlebt
und es „die Wahrheit“ ebenfalls als
universelle Singularität nicht gibt, da
man mit immens vielen unterschied-
lichen Betrachtungsweisen,
Befangenheiten und Selbsttäusch-
ungen an ein und denselben Vorgang
herangehen kann. Genauso ergeht es
uns mit der Realität.
Subjektive Wahrnehmung!!
Unsere Sinnesorgane vermitteln uns
nur ein ungenügendes oder falsches
Bild auf die Dimensionen des uns
Umgebenden. Die Lücken füllen wir
kognitiv. Das heißt da, wo unsere
Sinneswahrnehmung ungenügend,
lückenhaft erscheint, schaltet sich
unser Gehirn ein und komplettiert
die Szene. Unsere Realität ist in
weiten Teilen ein Produkt unseres
Verstandes und genauso wenig
solide wie eine Filmkulisse. Allein
deshalb schon erscheint es mir
höchst unwahrscheinlich, dass
jedem von uns „res extensa“
(das Umfeld des Menschen)
haargenau gleich erscheint.
Das alles sieht gar nicht gut aus, für
unser (trotz Wissenschaft immer noch
viel zu naives) konservatives Weltbild.
Und wo bleibt Gott?
Stephen Hawking postuliert zwar
gerne, dass Götter im Weltbild des
Menschen immer die Wissenslücken
besetzt hielten und von der
Wissenschaft immer weiter in die
Reservate der „unendlichen Weiten“
zurückgedrängt wurden. Aber
andererseits bezieht er sich immer
wieder auf das Wirken Gottes im
Universum. Und damit ist er beileibe
nicht der einzige Spitzenwissen-
schaftler. Es scheint, als ob beim
Schließen der Wissenslücken, und
dem Zurückdrängen der Götter
sich immer neue Lücken auftun.
Fortsetzung folgt.
Emil
