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Gott und die welt

Teil VIII
Beim Zurückdrängen der Götter
waren wir stehengeblieben.

Die Vorstellung, dass der Kosmos aus
aufeinander gestapelten Schildkröten
besteht, stammt aus einer Anekdote, die
ein klassisches Problem der Kosmologie –
das sogenannte Grundlagenproblem –
auf humorvolle Weise verdeutlicht.

Es ist gleichsam:
Das Problem des unendlichen Regresses
ein philosophisches Konzept, das eine
endlose
Kette von Ursachen, Begründungen
oder Abhängigkeiten beschreibt, bei der
jedes Glied
auf das vorhergehende verweist
ohne einen Anfangspunkt oder eine letzte
Erklärung zu erreichen. So sehe ich das
Verhältnis der Wissenschaft zu Gott.
Die Sache ist also die: In jeder
Theorie muss die Frage nach der
Ursache und vielleicht sogar nach
dem Sinn erlaubt sein. Und da
wird’s eng. Nehmen wir den Urknall.
Entstehung aller Materie aus einem
Punkt unendlicher Dichte. Okee …
aber woher kam dieser Punkt?

Materie ist nur ein Aggregatzustand
von Energie. Okay Aber woher kam
die Energie?

Wenn unser Universum wirklich mit
einem Urknall entstand, was war
dann vorher? Oder, wenn diese Frage
als sinnlos zurückzuweisen wäre:
Wie und warum kam es zum Urknall?
Und wenn es darauf eine Antwort
gäbe: Wieso sind dann die Annahmen
auf denen sie beruht, wahr? –

Eine unendliche Reihe von
Schildkröten, also eine infinite
Kette der Fragen. Ist eine der
Annahmen falsch, sind es auch
Weitere, die jene falsche Annahme in
ihrer empirische Logikkette verwendet
haben.

Egal welche Erklärungen die vielen
Kosmologien liefern mögen, die
zentrale Frage nach Entstehung all

dessen und welchem Zweck es dient
bleibt im Dunklen. Ein stets gut
reservierter Platz für Gott. Oder ...
Für ein höheres Wesen, einen
Schöpfer oder wie auch immer wir
sie nennen mögen. Meinetwegen
auch für ein paar Schildkröten.

- Dahin führt uns auch ein anderes
Gedankenspiel:

Das sogenannte Anthropische Prinzip
(
das der Kosmologe John Barrow - 1986
veröffentlichte
). Es besagt, dass schier
unglaubliche Zufälle nötig waren, um
zu unserer Gegenwart in einem
Universum zu führen, das perfekt auf
die menschliche Existenz eingestellt
zu sein scheint.

Alles...
- Die ungleiche Balance von Materie
zu Antimaterie nach dem Urknall;
Feinstruktur
& Gravitationskonstante
- der exakte Energiezustand des
Elektrons;
-
bis hin zur Ausprägung der
schwachen Wechselwirkung:
Deren bedeutende Rolle in der
Sonnen-eigenen Fusion von
Wasserstoff zu Helium liegt.

Nur durch sie, ist die Umwandlung
von Protonen in Neutronen möglich.
Nur durch die scheinbar genau
dosierte Stärke der schwachen
Wechselwirkung läuft dieser Prozess,
durch den die Sonne Energie freisetzt
so langsam und gebremst ab, dass
dieser vermutlich mehr als
10 Milliarden Jahre stabil bleibt.

Alles
scheint maßgeschneidert, um
unsere Existenz zuzulassen.

? Kann es denn sein, dass wir
ZUFÄLLIG in einem Universum
leben, das von einer so langen Reihe
unabhängiger Variablen abhängt, bei
denen die winzigste Abweichung
ausgereicht hätte, es gar nicht erst
existieren zu lassen oder es
zumindest unbewohnbar für jedwede
Form von Leben zu machen?

Das anthropische Prinzip behauptet,
dass die Wahrscheinlichkeit, dass
eben REIN ZUFÄLLIG
die riesige
Anzahl an richtigen Konstanten und
Werten für diese Variablen
entstanden sind, gleich Null ist.
0,00000000000- Jemand der Zufälle,
die unwahrscheinlicher sind als:

Eine 6 im Lotto zu haben und
gleichzeitig vom Blitz getroffen zu
werden während man gerade -
vom weißen Hai attackiert wird -
für völlig ausgeschlossen hält, sollte
die noch viel
unwahrscheinlichere
„natürliche Entstehung“ exakt dieser
universellen Rahmenbedingungen gar
nicht erst in Betracht ziehen.
Und das betrifft nur, wie erwähnt,
die Rahmenbedingungen. Da hören
die Unwahrscheinlichkeiten aber
noch lange nicht auf...
Die Naturgesetze in unserem
Sonnensystem, die Position unserer
Erde und ihr Abstand von der Sonne,
ihr einzigartiges Magnetfeld, die
Strahlung, die Ozonschicht, usw...
Alles optimal für unsere Existenz
arrangiert und präpariert.
Aber von wem... oder wie?

Strong Anthropic Principle (SAP):

Das Universum muss in seinen
Gesetzen und in seinem speziellen
Aufbau so beschaffen sein, dass es
irgendwann unweigerlich einen
Beobachter hervorbringt.
(B. CARTER 1973)

Weiterreichende Formulierung:
Das Entstehen des Lebens wird zur
notwendigen Eigenschaft des
Universums erklärt.

Wer oder was hat also diese
Entstehung angestoßen. Ihr erinnert
euch sicher noch, wir hatten
angefangen bei George Coyne und
der universellen Evolution. Über die
drei Sternengenerationen, welche
die Elemente produziert haben, die
wir für unsere Existenz benötigen.
Bis zur, immer noch rätselhaften,

Entstehung des Lebens auf unserem
Planeten.
Steckt ein Plan oder eine Absicht hinter
allem? - Ein Milliarden-Jahre-Plan?

Unvorstellbar.

Lautet die Antwort : 42 - Mr. Adams?

Aber was wäre die Alternative?
Die Multiversum-Theorie:
Das heißt: Es gibt eine ungeheure
Anzahl von Universen, jedes mit
unterschiedlichen Werten der
fundamentalen Konstanten, und wir
befinden uns (
was kaum überrascht) in
einem dieser Universen. Und zwar in
eben jenem, in dem die Konstanten
genau den richtigen Wert haben um
Galaxien, Sterne und Leben
zuzulassen.

Also keine Anhäufung von
praktisch
unmöglich Zufällen“ aber eine
Anhäufung von Trilliarden von
Parallel-Universen. Denn wenn die
Anzahl der Paralleluniversen un-
endlich groß ist, ist die vermeintlich
zufällige Existenz, des vom
Menschen beobachtbaren
Universums, notwendig und
folgerichtig.

Eine solche Menge nebeneinander
existierender Universen ist bizarr –
und auch dabei bricht sich die Woge
der Erklärungswut an Fragen wie:
Woher? Wozu? Wer oder was hat
das ausgelöst? Was war vorher da?
Deshalb halte ich die
„Multiversum-Theorie“ für noch
unvorstellbarer.

Fortsetzung folgt

Emil