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Kultur & die schönen Künste

Die Definition des, ach so häufig
benutzten Wortes Kultur ist gar nicht
so leicht und eindeutig. Im Wesent-
lichen geht es um die Weitergabe von
Erlerntem, über Generationen hinweg.

Das Entstehen der Kultur ist mit der
Entwicklung des menschlichen
Bewusstseins verbunden, also mit der
Fähigkeit, die Zukunft zu gestalten
und sich mit Dingen zu befassen, die
über die Erfordernisse des
Augenblicks hinausgehen.

Kultur ist alles, was Menschen
gemeinsam haben – was sie
geschaffen oder gestaltet haben –
zum Beispiel Sprache, Musik,
Bräuche oder auch die Art, wie sie
zusammenleben und Probleme lösen.
Sie kann aus realen und virtuellen
Dingen bestehen: Kunstwerke aller
Art; Geschichten oder Traditionen,
aus Festen und Veranstaltungen bis
hin zu gemeinsamen Werten und
Verhaltensweisen.
(das sagt die KI)

Nun zu den Künsten (ganz ohne KI)
Die Erste und Wichtigste der
Künste ist das Wort.
Das Bedürfnis andere auf drohende
Gefahren, erworbene Erkenntnisse
oder starke Gefühle hinweisen -
und sich den Zeitgenossen
mitteilen zu können hat unsere
hominiden Vorfahren veranlasst
eine immer differenzierter werdende
Sprache - und Begriffe auch für
immaterielle Dinge zu entwickeln.
Die Werkzeuge dafür, Kehlkopf,
Lippen, Zunge und Rachen mussten
erst der Evolution abgetrotzt werden.
Der frühe Mensch, dessen Sprach-
vermögen sich in gutturalen Lauten,
Grunzen und Schreien erschöpfte,
drückte mehr über die Sprachmelodie
aus, als über Lautkombinationen.

Diese Melodien sind Ausdruck

unserer inneren Vorgänge und
betätigen in unserem Denkorgan
immer noch die Äonen Jahre alten
Knöpfchen und Schalter und tun
ihre empathische Wirkung.
Sie beruhigen oder peitschen uns auf,
sie trösten uns, spenden uns Mut oder
machen uns traurig. Diese Melodien,
die in uns sind, wurden bald auch von
Instrumenten aufgegriffen, verstärkt
oder interpretiert. Diese Form der
Rezeptorenmanipulation nannte der
Mensch nach Jahrtausenden
tiefgreifender Kultivierung „Musik“,
während sich aus dem geschliffenen
Wort zuerst die Kunst des Erzählens
entwickelte. Später das Schauspiel,
die Dichtkunst und das geschriebene
Wort, die Schriftstellerei.

Bei der Malerei verhält es sich
ähnlich. Steinzeitliche Höhlenmaler
hinterließen uns Darstellungen von
Pflanzen und Tieren, Jagdszenen mit
Jägern und Beute oder Darstellungen
von Göttern. Das Bedürfnis den
Augenblick festzuhalten und nicht
nur visuelle Schönheit sondern auch
die, bei der Betrachtung des Objekts
empfundenen Emotionen zu
konservieren, um auch das
Unsichtbare für andere sichtbar zu
machen. Das ist die Triebfeder für
Maler, Bildhauer, Fotografen und
gestaltenden Künstlern aller Couleur
- bis heute.

Haben unsere Urväter noch den
erlegten Tieren das Fleisch von den
Knochen gerissen und roh
verschlungen, so hat auch hier die
Erfindung des Feuers und der
Hunderttausende von Jahren alte
Umgang damit, die Einnahme von
Speisen zum Ritual und die
Zubereitung zur Kunst werden lassen.

Unser Überlebenstrieb gebar die
Heilkunst und die Kunst des Tötens
gleichermaßen.

Der
(biologisch gesehen) Wichtigste
unserer Triebe,
der Fortpflanzungstrieb wurde, je
nach regionalen Einflüssen von
Religion, Politik und Kultur zur
romantischen Liebe verklärt, vom
Puritanismus verteufelt, oder zum
akrobatischen Liebesakt a la
Kamasutra stilisiert. Freie Sexualität
oder Liebeskunst - praktiziert von
Geishas, Tempeltänzerinnen, von
Kurtisanen oder Odalisken - blieb in
der menschlichen Geschichte eher
die Ausnahme, genauso wie das
Matriarchat in der Politik der Völker.
Sexualität blieb meist eine repressive
Disziplin unter männlicher
Vorherrschaft.

Die Künste sind also nichts weiter
als menschliche Basics wie:
Mitteilungsbedürfnis, Überleben und
Fortpflanzung. Welche durch
Jahrtausende der Ausübung, dem
Gebrauch von Werkzeugen und durch
Verfeinerung unserer Sinnesorgane
aus einer archaischen Notwendigkeit
in diese, für uns gefälligen Formen
gegossen wurden.

Einem Lexika entnehme ich als
Definition der Künste:
Insbesondere
einem Urtrieb des Menschen
entsprungene Form besonderen
Ausdrucks. Meist eine enge
Verbindung von ästhetischen
Elementen mit technischer Qualität.

Man kann es auch so formulieren:
Kunst fängt da an, wo das Handwerk
endet.

Dazu eine kleine Mozart Anekdote:
Mozart hatte mehrere Schüler, aber
einen schien er offenbar vorzuziehen.
Dieser war sehr fleißig, übte mehr
als verlangt und versuchte es seinem
Lehrer in allem recht zu machen.
Eines Tages sagte Mozart zu ihm:
„Ich werde dich nicht länger
unterrichten!“ Der Schüler war
entsetzt und brachte seinem Lehrer
gegenüber vor, dass er doch noch so
viel zu lernen hätte, um irgendwann
die Meisterschaft seines Lehrers zu

erreichen. Und Mozart antwortete:
„Alles was ich dich lehren konnte,
habe ich dir beigebracht. Du bist der
beste von allen meinen Schülern. Du
bist technisch absolut perfekt, doch
deine Musik hat keine Seele!“

Das führt uns weiter, nämlich zur -
Musik im Subjektiven

Emil