Der lange Weg I
Auch der längste Weg
beginnt mit dem ersten Schritt. ...
Zen-Philosophie
Das enttäuschende Ende der
Beziehung mit Betty
(Bettys Beziehungs-Paradoxon Teil 3)
rüttelte mich wach und bewirkte;
- nach einer Zeit der Trauer,
- einer der Frustration,
- einer inneren Bestandsaufnahme,
- einer Zeit der Selbstkritik
- und einer Zeit der Aussöhnung
mit meinen irrationalen
Empfindlichkeiten,
einige Korrekturen in meiner
Selbstdefinition und meinem
Routineverhalten. Vor allem
wollte ich raus aus meinem
Hamsterrad - weiterentwickeln statt
weiterwursteln.
Hey!
Sagte ich zu meinem Spiegelbild.
Du wirst jetzt deinen Arsch bewegen
und an deiner Performance arbeiten.
Viel zu leicht verfällt man der
Monotonie, einem dämmrigen
Zustand des geistigen Stillstands.
Ich hatte von jeher meine kleinen
Schwierigkeiten mit der Motivation
und eine ungesunde Neigung zur
Bequemlichkeit.
Jetzt endlich ins „Night-Life“
Als Selbstständiger in die
Nacht-Gastronomie einsteigen? Das
war ein gestaltloser Vorsatz, den ich
schon längere Zeit vor mir hertrug.
Der Spagat, mit dem ich mich bereits
seit Längerem über Wasser gehalten
hatte, zwischen der tags-Tätigkeit bei
einem Feinkost-Händler und zweier
Nachtarbeiten, dem Barkeeper-Job
- (ich hatte leider nur einen festen Abend
in der Woche in der Regina-Cocktail-Lounge
gekriegt) -
- und als gelegentlicher Taxi-Driver.
Diese unheilige Dreispaltigkeit
ging mir gewaltig auf den Keks.
Allein das Taxifahren forderte mir
zu viel Überwindung ab. Nach der
Verbüßung meines Wehrdienstes
hatte ich nämlich gebüffelt, um den
(Taxi-) Fahrgastbeförderungsschein
zu erwerben - um bei akutem Mangel
an Liquidität, schnell und flexibel
meine Börse auffrischen zu können.
Täglich ab ca.: 19:00 Uhr konnte ich
jederzeit auf eines der Taxen meines
Erzeugers -
(mein Vater war Taxiunternehmer in seiner
besten Zeit hatte er drei Fahrzeuge,
mehrere Fahrer und drei Konzessionen)
- zugreifen. Eigentlich praktisch!
Aber meist reichte es mir bereits
nach 3-4 Stunden. Ich meine damit
jetzt weniger die Einkünfte – als
vielmehr dieses Herumstehen auf
den Taxi-Standplätzen, dann das oft
belanglose Gelaber der Fahrgäste -
auch den Ärger, den man bisweilen
mit Letzteren auszustehen hatte.
Zu wenig Geld für zu viel Aufwand.
Es gab natürlich auch interessante
und bereichernde Begegnungen.
Auch die Erotik schlug ein paarmal
zu. (Wollen Sie nicht noch kurz mit rein
kommen? Ich mach Ihnen schnell einen
Kaffee)
aber im Großen und Ganzen war es
öde – und das war nichts für mich.
Geld aus Auftritten mit der Band in
vielen Clubs in München und dem
Umland waren bestenfalls nette Ego-
Streicheleinheiten und deckten meist
nur die Unkosten.
Ich brauchte jetzt mehr Struktur …
- RAUS AUS DEM CHAOS ...
Von der Hand in den Mund – ist eine
Weile ganz okay – aber irgendwann
muss man irgendeine Art von fester,
regelmäßiger – und vor allem „für
den Broterwerb geeigneter Tätigkeit“
ausüben. Die Musik allein reichte
nicht, aber mir schwebte da schon
etwas vor, das mehr Affinität zu
meiner kreativen, musikalisch-
künstlerischen Seele aufwies.
Den Traum, dass ich irgendwann
allein von der Musik vernünftig
leben könnte, musste ich mir leider
langsam abschminken. Sogar
pathologischer Optimismus ist
heilbar.
Apropos Musik – die Band war eben
wieder im Umbruch. Wir hatten den
Proberaum verloren und waren auf
der Suche nach einer neuen Übungs-
Möglichkeit. Bis auf Weiteres gab es
keine Treffen und keine Auftritte –
ergo auch keine operante Band.
RESIGNATION !
Es war so frustrierend, ständig diese
Proberaum Auf- und Ab -Amplitude.
Das ging seit Jahren so - und mir
ging es gehörig auf den Senkel. Es
gewann langsam so eine Art
naturgewaltig-unangenehme
Regelmäßigkeit wie Menstruation.
ABER
Irgendwann war es dann so weit:
Ich weiß es noch wie heute. Es war
ein kalter, scheußlich nebliger Tag
im März als mein Traum sich der
Erfüllung näherte. Auf meiner
Agenda stand: Abendliches
Abtanzen in der Disco „Some Night“
Man soll das Glück, wenn es sich
zeigt, beim Schopfe packen – heißt
es. Nun dieser Schopf, nach dem ich
griff, war bereits etwas schütter und
gehörte Karel.
Er sprach mich an:
„Hast du gesagt, möchtest du
Einsteigen in Disco-Geschäft und
hast du Ahnung von Gastronomie!“
Der Exilbulgare Karel Perev
(Zitat: „War ich früher wichtige Mann in die
Partei, jetzt diese KGB ist hinter mir her“!)
- ein etwa 40 Jahre alter, öliger
Autohändlertyp, Goldkettchenträger,
augenblicklich Betreiber der beiden
(fast gegenüber liegenden), zu meinen
Stammkneipen zählenden
Discotheken „Hollywood“ und
„Some Night“. Er suchte einen
geschäftsführenden Teilhaber.
In meiner Krösus-Phase, als ich die
Spielbankgewinne unters Volk
bringen musste, hatte ich mit ihm
mal (oder sogar zweimal) eine Flasche
Champagner zum Wucherpreis an
seiner Theke getrunken. Er hielt
mich also für betucht (und bescheuert)
Und darin sah ich jetzt meine
Chance dem Alltag zu entrinnen,
meine Eintrittskarte in die
gastronomische Selbstständigkeit.
GASTRONOMIE
wieviel Zauber liegt in diesem Wort.
(Um es mit Kipling zu sagen!)
Während er seine Aussage auf den
Dschungel, diese ungeheure,
unübersichtliche Vielfalt an Fauna
und Flora bezog, entleihe ich mir
seine Phrase, und gebrauche sie in
Bezug auf Wildwuchs völlig anderer
Natur. Nämlich den Dschungel an
menschlicher Interaktion im Umfeld
der Magie gastronomischer
Dienstleistung.
Du musst sie lieben -
– sonst verschlingt sie dich!
Fortsetzung folgt:
Emil
beginnt mit dem ersten Schritt. ...
Zen-Philosophie
Das enttäuschende Ende der
Beziehung mit Betty
(Bettys Beziehungs-Paradoxon Teil 3)
rüttelte mich wach und bewirkte;
- nach einer Zeit der Trauer,
- einer der Frustration,
- einer inneren Bestandsaufnahme,
- einer Zeit der Selbstkritik
- und einer Zeit der Aussöhnung
mit meinen irrationalen
Empfindlichkeiten,
einige Korrekturen in meiner
Selbstdefinition und meinem
Routineverhalten. Vor allem
wollte ich raus aus meinem
Hamsterrad - weiterentwickeln statt
weiterwursteln.
Hey!
Sagte ich zu meinem Spiegelbild.
Du wirst jetzt deinen Arsch bewegen
und an deiner Performance arbeiten.
Viel zu leicht verfällt man der
Monotonie, einem dämmrigen
Zustand des geistigen Stillstands.
Ich hatte von jeher meine kleinen
Schwierigkeiten mit der Motivation
und eine ungesunde Neigung zur
Bequemlichkeit.
Jetzt endlich ins „Night-Life“
Als Selbstständiger in die
Nacht-Gastronomie einsteigen? Das
war ein gestaltloser Vorsatz, den ich
schon längere Zeit vor mir hertrug.
Der Spagat, mit dem ich mich bereits
seit Längerem über Wasser gehalten
hatte, zwischen der tags-Tätigkeit bei
einem Feinkost-Händler und zweier
Nachtarbeiten, dem Barkeeper-Job
- (ich hatte leider nur einen festen Abend
in der Woche in der Regina-Cocktail-Lounge
gekriegt) -
- und als gelegentlicher Taxi-Driver.
Diese unheilige Dreispaltigkeit
ging mir gewaltig auf den Keks.
Allein das Taxifahren forderte mir
zu viel Überwindung ab. Nach der
Verbüßung meines Wehrdienstes
hatte ich nämlich gebüffelt, um den
(Taxi-) Fahrgastbeförderungsschein
zu erwerben - um bei akutem Mangel
an Liquidität, schnell und flexibel
meine Börse auffrischen zu können.
Täglich ab ca.: 19:00 Uhr konnte ich
jederzeit auf eines der Taxen meines
Erzeugers -
(mein Vater war Taxiunternehmer in seiner
besten Zeit hatte er drei Fahrzeuge,
mehrere Fahrer und drei Konzessionen)
- zugreifen. Eigentlich praktisch!
Aber meist reichte es mir bereits
nach 3-4 Stunden. Ich meine damit
jetzt weniger die Einkünfte – als
vielmehr dieses Herumstehen auf
den Taxi-Standplätzen, dann das oft
belanglose Gelaber der Fahrgäste -
auch den Ärger, den man bisweilen
mit Letzteren auszustehen hatte.
Zu wenig Geld für zu viel Aufwand.
Es gab natürlich auch interessante
und bereichernde Begegnungen.
Auch die Erotik schlug ein paarmal
zu. (Wollen Sie nicht noch kurz mit rein
kommen? Ich mach Ihnen schnell einen
Kaffee)
aber im Großen und Ganzen war es
öde – und das war nichts für mich.
Geld aus Auftritten mit der Band in
vielen Clubs in München und dem
Umland waren bestenfalls nette Ego-
Streicheleinheiten und deckten meist
nur die Unkosten.
Ich brauchte jetzt mehr Struktur …
- RAUS AUS DEM CHAOS ...
Von der Hand in den Mund – ist eine
Weile ganz okay – aber irgendwann
muss man irgendeine Art von fester,
regelmäßiger – und vor allem „für
den Broterwerb geeigneter Tätigkeit“
ausüben. Die Musik allein reichte
nicht, aber mir schwebte da schon
etwas vor, das mehr Affinität zu
meiner kreativen, musikalisch-
künstlerischen Seele aufwies.
Den Traum, dass ich irgendwann
allein von der Musik vernünftig
leben könnte, musste ich mir leider
langsam abschminken. Sogar
pathologischer Optimismus ist
heilbar.
Apropos Musik – die Band war eben
wieder im Umbruch. Wir hatten den
Proberaum verloren und waren auf
der Suche nach einer neuen Übungs-
Möglichkeit. Bis auf Weiteres gab es
keine Treffen und keine Auftritte –
ergo auch keine operante Band.
RESIGNATION !
Es war so frustrierend, ständig diese
Proberaum Auf- und Ab -Amplitude.
Das ging seit Jahren so - und mir
ging es gehörig auf den Senkel. Es
gewann langsam so eine Art
naturgewaltig-unangenehme
Regelmäßigkeit wie Menstruation.
ABER
Irgendwann war es dann so weit:
Ich weiß es noch wie heute. Es war
ein kalter, scheußlich nebliger Tag
im März als mein Traum sich der
Erfüllung näherte. Auf meiner
Agenda stand: Abendliches
Abtanzen in der Disco „Some Night“
Man soll das Glück, wenn es sich
zeigt, beim Schopfe packen – heißt
es. Nun dieser Schopf, nach dem ich
griff, war bereits etwas schütter und
gehörte Karel.
Er sprach mich an:
„Hast du gesagt, möchtest du
Einsteigen in Disco-Geschäft und
hast du Ahnung von Gastronomie!“
Der Exilbulgare Karel Perev
(Zitat: „War ich früher wichtige Mann in die
Partei, jetzt diese KGB ist hinter mir her“!)
- ein etwa 40 Jahre alter, öliger
Autohändlertyp, Goldkettchenträger,
augenblicklich Betreiber der beiden
(fast gegenüber liegenden), zu meinen
Stammkneipen zählenden
Discotheken „Hollywood“ und
„Some Night“. Er suchte einen
geschäftsführenden Teilhaber.
In meiner Krösus-Phase, als ich die
Spielbankgewinne unters Volk
bringen musste, hatte ich mit ihm
mal (oder sogar zweimal) eine Flasche
Champagner zum Wucherpreis an
seiner Theke getrunken. Er hielt
mich also für betucht (und bescheuert)
Und darin sah ich jetzt meine
Chance dem Alltag zu entrinnen,
meine Eintrittskarte in die
gastronomische Selbstständigkeit.
GASTRONOMIE
wieviel Zauber liegt in diesem Wort.
(Um es mit Kipling zu sagen!)
Während er seine Aussage auf den
Dschungel, diese ungeheure,
unübersichtliche Vielfalt an Fauna
und Flora bezog, entleihe ich mir
seine Phrase, und gebrauche sie in
Bezug auf Wildwuchs völlig anderer
Natur. Nämlich den Dschungel an
menschlicher Interaktion im Umfeld
der Magie gastronomischer
Dienstleistung.
Du musst sie lieben -
– sonst verschlingt sie dich!
Fortsetzung folgt:
Emil
