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Gott und die welt

Teil V
Da bildete Gott der Herr den Menschen
aus dem Staub der Ackerscholle und
blies in seine Nase, den Odem des
Lebens, so ward der Mensch zu einem
lebendigen Wesen.
Genesis

Vince Ebert schreibt:

Auch wenn das einigen von uns nicht
passt, aber auf der Stufe der Atome
und Moleküle ist der Mensch nichts
Besonderes.

Der erste Wissenschaftler, der das
erkannte, war der Physiker Erwin
Schrödinger. Der österreichische
Nobelpreisträger fragte sich in den
vierziger Jahren: Was unterscheidet
eigentlich die Menge Atome, die mich
als Lebewesen ausmacht, von der
gleichen Atommenge, wenn sie
irgendwo herumliegt?
Von der chemischen Zusammensetzung
her sind wir ziemlich unspektakulär.
Kohlenstoff, Wasserstoff, ein bisschen
Sauerstoff und Stickstoff. Eine
Messerspitze Calzium, eine Prise
Schwefel – im Prinzip alles Elemente,
die man für ein paar Euro in jeder
Apotheke bekommt.

Was also macht das Leben aus?

Schrödingers Antwort: STRUKTUR
Damit es uns gibt, müssen sich Trillionen
von Atomen auf eine ganz spezifische,
hochkomplizierte Art und Weise
zusammensetzen. Und das ist extrem
bemerkenswert, weil Atome
normalerweise genau das Gegenteil
machen.

Wenn Sie achtzig Kilo Atome in einem
Raum herumliegen lassen, dann formen
die sich nicht zu einem Menschen,
sondern sie verteilen sich am liebsten
möglichst ungeordnet in diesem Raum.
In der Physik sagt man dazu: Ein System
strebt immer den Zustand
der größtmöglichen Entropie an.

Entropie ist ein Begriff aus der
Thermodynamik und bedeutet so
viel wie „Maß für die Unordnung“.
Im Umkehrschluss bedeutet die
Sache mit der Entropie, dass man

eine gewisse Ordnung immer nur
dann erzeugen kann, wenn man
von außen Energie reinsteckt.

Braucht man dazu einen Physiker? Jede
Hausfrau und Mutter kennt dieses
Naturgesetz.


Weiter mit der Entstehung des
Menschen aus der Sicht von
Vince Ebert:
Kommt es zur Verschmelzung von
männlicher Samen- und weiblicher
Eizelle, teilt sich zunächst der DNA-
Strang von Papi und der DNA-Strang
von Mami in jeweils zwei Hälften.
Dann dockt die männliche Hälfte an die
weibliche Hälfte an und bildet so wieder
eine komplette, aber völlig neue DNA.
Aus einer genau solchen DNA-Sequenz
ist jeder von uns hervorgegangen.
Umhüllt von einer einzigen Zelle.
Schon bald beginnt sich diese Zelle dann
zu
t eilen. Und bei jeder Teilung geschieht
etwas ziemlich Erstaunliches: Den Zellen
wird wie von Geisterhand ein
unterschiedliches Schicksal zuteil. Die
einen werden zu Augen-, Nieren- oder
Hirnzellen, aus den anderen entwickeln
sich
Muskel- oder Blutzellen – i nsgesamt
haben wir rund 200 verschiedene
Zellarten. Wie genau die Zellen das
machen, weiß bis zum heutigen Tag
keiner. Niemand sagt ihnen, wie sie sich
verhalten sollen. Es geschieht einfach.

Das ist das eigentliche Wunder des
Lebens.

Und … kann Gott seinen Platz in
der Genesis behaupten?

Wie tröstlich für ihn und für uns Laien,
dass Spitzenwissenschaftler selbst in
ihrem angestammten Fachgebiet immer
noch von Wundern sprechen
oder Formulierungen bereithalten wie:
Gottes Plan (Stephan Hawking)
oder von Gottes Schöpfung sprechen
(Albert Einstein)
Ich dagegen suche eine Erklärung in:
Strukturierten holistischen Systemen,
ähnlich wie vorprogrammierte
Algorithmen, die von sich aus einen
höheren Ordnungszustand anstreben.
Anderer Denkanstoß:


„Der Holismus der Quantenphysik“
(erschienen in Philosophia Naturalis)
von Michael Esfeld

Esfeld, Studierte und Promovierte in
Philosophie und Geschichte, er ist
Direktor des Instituts für Philosophie an
der Universität Lausanne. Publikationen
über Philosophie, Physik und Metaphysik.
Sein Forschungsgebiet ist zweifach. Auf
der einen Seite interessiert er sich für
die Philosophie der Wissenschaft und
insbesondere der Physik. Auf der
anderen Seite studiert er die Philosophie
des Geistes. Genauer gesagt konzentriert
sich seine Forschung auf die Ontologie
der Quantenphysik, Funktionalismus
oder
Reduktionismus. Er entwickelte auch eine
Theorie kausaler Strukturen
in der
Philosophie der Physik, die er dann auf
biologische und psychische
Eigenschaften anwandte.

Was er schreibt hört sich mordsmäßig
kompliziert an – ist aber logisch
Ich gebe im Teil 6 einige Auszüge der
Publikation wieder, doch hier zuerst
eine kurze Einführung über das
Phänomen - Teilchenverschränkung
in der Quantenphysik:


Die Möglichkeit der Verschränkung
gehört zu denjenigen Konsequenzen
der Quantenmechanik, die den
meisten Widerstand gegen diese
Theorie als solche erzeugte.
Albert Einstein formulierte 1935
den EPR-Effekt. Das bedeutet, dass
Quantenverschränkungen zur
Verletzung des klassischen Prinzips
des lokalen Realismus führen würde.
(
Auf gut Deutsch: sie stellten seine
kosmologischen Überzeugungen auf
den Kopf
) Eine Lösung des Dilammas
fand er zu Lebzeiten nicht mehr ...

Die Quantenverschränkung ist heute
als physikalisches Phänomen
anerkannt. So konnte zum Beispiel
eine Gruppe der Universität Genf im
Experiment zeigen, dass z.B.
verschränkte Photonen bezüglich
verschiedener Eigenschaften: Position,
Impuls, Polarisation mit wenigstens
10 000-facher Lichtgeschwindigkeit
miteinander kommunizieren müssten
(wenn sie denn kommunizieren müssten) um den nachgewiesenen Effekt zu
erzielen... Welchen Effekt?
Das heißt, ändert man unter Labor-
bedingungen z.B. die Polarisierung
eines der miteinander verschränkten
Photonen, ändern gleichzeitig alle
Teilchen, die dieser Verschränkung
unterliegen die Polarisierung
dementsprechend.
Dafür gibt es keine lokalen oder
temporären Beschränkungen. Man
veränderte im Genfer Labor die
Eigenschaft eines Photons und es
änderte sich ohne Zeitverzögerung
das verschränkte, mit einer Atomuhr
kombinierte Gegenstück, das sich im
Orbit um unseren Planeten befand.
Nicht das Millionstel einer Sekunde
Zeitunterschied war messbar. Das
bedeutet, verändert sich der Zustand
eines, mit anderen verschränkten
Teilchens, ändern sich im selben
Moment alle damit verschränkten
Teilchen – und seien sie auch in einer
anderen Galaxie.

Klingt unglaublich oder?

Die Nichtlokalität unterscheidet die
Quantenmechanik grundsätzlich von
klassischen physikalischen Theorien.
Die einzige, nach unzähligen
Versuchen und Theorien verbleibende
Erklärung dieses Phänomens besteht
darin, die verschränkten Teilchen als
ein Ganzes zu betrachten. Egal wie
weit sie verstreut und voneinander
entfernt sind. Was uns wieder zum
Holismus führt und unser bisheriges
Bild der Kausalität und der
Dimensionen von Raum, Zeit und
Materie völlig über den Haufen wirft.

Fortsetzung folgt:



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Emil