Gott und die welt
Teil VI
Als Kind schickte mich meine Mutter
(dem Vater war es eher egal) jeden
Sonntag in die Kirche. Sie selbst ließ
sich dort nur selten sehen und mein
Vater betrat Kirchenboden nur bei
absolut unvermeidlichen Gelegen-
heiten. (zuletzt bei seiner Beisetzung)
Ich fühlte mich dort nie besonders
wohl: Weihrauch, Vorschriften,
strenge Blicke, hinknien, aufstehen,
die Last der Tradition. Die Kirche
und ihre Zeremonien blieben mir
fremd, kirchliche Polemik fand ich
unlogisch und die heilige Schrift im
Wesentlichen unverständlich.
Bereits mit 15 Jahren erklärte ich
mich zum Atheisten, aber eigentlich
zu Unrecht, denn so ganz konnte ich
mir den Glauben an „Dinge jenseits
des Vorstellungsvermögens“ nicht
aus dem Kopf schlagen. Nur den
„Lieben Gott“ der mit seinem weißen
Bart auf einer Wolke thront und
freundlich lächelnd über uns wacht,
den hatte ich hinter mir gelassen und
seine selbsternannte Interpretations-
und Verwaltungsagentur, die „heilige
katholische Kirche“ ebenfalls.
Schon von Kindesbeinen an trieb
mich mein Wissensdrang in die Welt
der Bücher und der Imagination.
In jungen Jahren gerne Richtung
Science-fiction. Manche Autoren
dieses Genres sind kosmische
Philosophen und wieder andere
drehen und wenden, variieren und
durchdenken Erfindungen und vor
allem die neuesten Theorien
zeitgenössischer Physiker um deren
Auswirkungen in eine mögliche
Zukunft zu projizieren.
Dadurch werden sie zu so etwas wie
seismographischen Betrachtern,
welche Fortschrittsansätze
formulieren bevor sie breitflächig,
materielle Wirklichkeit werden.
Kein Wunder also, dass in
irgendeiner entlegenen Windung
meines Gehirns immer noch der
Schatten eines Zweifels an der
Monotonie unumstößlicher
Erklärbarkeit des uns Umgebenden
nagt.
Und eben dieses materialistische
Weltbild zeitgenössischer Physik,
wonach das Universum auf der
niedrigsten Ebene aus toter,
kompakter, zufallsgesteuerter
Materie besteht, welche sich nach
bestimmten „Naturgesetzen“ ewig
gleich zusammenfügt, um auf einer
höheren Ebene dann Lebensprozesse
und Bewusstsein „entstehen“ zu
lassen, dieses naive Weltbild fällt
vor unser aller Augen auseinander.
Alternative Erklärungsmodelle
(Kosmologien) hatte die Menschheit
immer schon parat, tatsächlich sogar
wesentlich ältere als der heute noch
in den offiziellen „Bildungs-
einrichtungen“ indoktrinierte
Materialismus der uns hier nicht
weiterführt.
Speziell der Holismus, der eher eine
Philosophie als eine kosmologische
Hypothese darstellt, rückt neuerdings
in den Fokus des Interesses.
Der Holismus (griechisch „ganz“)
ist zu begreifen als ein uraltes, und
doch modernes Denkmodell. Die
Ganzheitslehre. Sie vertritt den
erkenntnistheoretischen Standpunkt,
dass das Ganze mehr ist - als nur die
Summe seiner Teile. Ansätze zu
einem holistischen Weltbild finden
sich ziemlich früh bei Aristoteles,
Pythagoras, später auch bei Leibnitz
und Hegel. 1926 formulierte
Jan Christaan Smuts eine umfassende,
naturalistische Holismus-Theorie.
•
Im Holismus geht man davon aus,
dass die einzelnen Elemente, in die
sich ein System gliedert, das als„Ganzheit“ oder „Gestalt“ aufgefasst
werden kann, durch die inneren
Strukturen und Synergien vollständig
bestimmt sind. Dass ein System als
Ganzes funktioniert, trotzdem dies oft
nicht vollständig aus dem Zusammen-
wirken aller seiner Einzelteile
verstanden werden kann. Atome
verbinden sich zu Molekülen die
völlig neue Eigenschaften besitzen.
(Wer hätte je gedacht, dass sich zwei Gase
zu einer Flüssigkeit verbinden können,
welche dann als Wasser bezeichnet wird).
Die holistische Betrachtungsweise
steht damit im diametralen Gegensatz
zu dem, in den Naturwissenschaften
landläufig vertretenen Atomismus
bzw. Reduktionismus, der das
zusammengesetzte System als
Ergebnis seiner Elemente und ihrer
mechanischen Eigenschaften zu
beschreiben versucht.
Das Hauptargument gegen den
Reduktionismus ist dabei häufig das
Phänomen der „Emergenz“, d.h. der
nicht vollständigen Erklärbarkeit des
Ganzen aus seinen einzelnen Teilen.
•
Smuts baute seine Theorie des
modernen Holismus auf der Grund-
lage des Gedankens einer
schöpferischen Evolution auf.
(Die Ansicht, dass man, ähnlich wie beim
eigenen Körper, bei dem sich in jeder
einzelnen Zelle der gesamte Bauplan (DNS)
des Körpers befindet, auch in jedem Teil
des Universums die Struktur des Ganzen
vorhanden ist).
Der Kosmos als Organismus ?
So versuchte er eine Synthese von
Wissenschaft und Philosophie zu
erreichen, indem er postulierte, dass
zur Erklärung jeglicher Evolution
beides nötig ist, zuerst die Strukturen
(Gegenstand der Wissenschaft)
und zum anderen die Prinzipien
(Gegenstand der Philosophie).
Materie und Leben beide bestehen
aus Teilstrukturen, deren Anordnung
zu natürlichen Ganzen führt. Diese
Teilstrukturen sind ebenso jeweils einGanzes. Ob es sich um ein Atom, ein
Molekül, eine chemische Verbindung
Pflanzen, Tiere oder Staaten handelt,
alles ist jeweils ein Ganzes.
Konglomerate daraus lassen ein
neues Ganzes entstehen. Mit neuen
Funktionen und Fähigkeiten.
Dieser kreative Holismus ist die
treibende Kraft der Evolution,
ihre vera causa.
Aktuell sind einige Aspekte der
Quantendynamik nur durch
holistische Ansätze erklärbar.
Neutronen und Elektronen kreisen
um den Atomkern wie Planeten um
die Sonne. Zufall?
Oder ist das Universum nach immer
den gleichen, bewährten Mustern
aufgebaut? Struktur/Synergie/Selbst-
organisation liegt z.B. vor, wenn sich
Kristalle bilden, immer zu den
gleichen Mustern, ein Strudel über
dem Abfluss der Badewanne entsteht
oder sich Sechsecke auf der
Oberfläche eines Haferbreis bilden,
der nicht umgerührt wurde. Die
runden Köpfe von Bienen erschaffen
sechseckige Waben -
(die Art und Weise, wie Pflanzen wachsen,
Berge erodieren oder Flüsse fließen, die
Art und Weise in der Schneeflocken oder
Inseln ihre Form annehmen, wie Licht auf
einer Oberfläche spielt.
- Formen, die wir für zufällig halten, sind
in Wirklichkeit das Ergebnis komplizierter,
sich verändernder Zahlenstrukturen, die
einfachen Regeln gehorchen.)
•Zitat Douglas Adams -
• dies geschieht alles ohne Planung
und Einsicht. Prozesse beginnen und
enden nicht, vielmehr verwandeln sie
etwas in etwas anderes.
(Erstaunlich inwieweit der Holismus in
vielen Bereichen mit dem Buddhismus
korrespondiert)
•Fortsetzung folgt
Emil
(dem Vater war es eher egal) jeden
Sonntag in die Kirche. Sie selbst ließ
sich dort nur selten sehen und mein
Vater betrat Kirchenboden nur bei
absolut unvermeidlichen Gelegen-
heiten. (zuletzt bei seiner Beisetzung)
Ich fühlte mich dort nie besonders
wohl: Weihrauch, Vorschriften,
strenge Blicke, hinknien, aufstehen,
die Last der Tradition. Die Kirche
und ihre Zeremonien blieben mir
fremd, kirchliche Polemik fand ich
unlogisch und die heilige Schrift im
Wesentlichen unverständlich.
Bereits mit 15 Jahren erklärte ich
mich zum Atheisten, aber eigentlich
zu Unrecht, denn so ganz konnte ich
mir den Glauben an „Dinge jenseits
des Vorstellungsvermögens“ nicht
aus dem Kopf schlagen. Nur den
„Lieben Gott“ der mit seinem weißen
Bart auf einer Wolke thront und
freundlich lächelnd über uns wacht,
den hatte ich hinter mir gelassen und
seine selbsternannte Interpretations-
und Verwaltungsagentur, die „heilige
katholische Kirche“ ebenfalls.
Schon von Kindesbeinen an trieb
mich mein Wissensdrang in die Welt
der Bücher und der Imagination.
In jungen Jahren gerne Richtung
Science-fiction. Manche Autoren
dieses Genres sind kosmische
Philosophen und wieder andere
drehen und wenden, variieren und
durchdenken Erfindungen und vor
allem die neuesten Theorien
zeitgenössischer Physiker um deren
Auswirkungen in eine mögliche
Zukunft zu projizieren.
Dadurch werden sie zu so etwas wie
seismographischen Betrachtern,
welche Fortschrittsansätze
formulieren bevor sie breitflächig,
materielle Wirklichkeit werden.
Kein Wunder also, dass in
irgendeiner entlegenen Windung
meines Gehirns immer noch der
Schatten eines Zweifels an der
Monotonie unumstößlicher
Erklärbarkeit des uns Umgebenden
nagt.
Und eben dieses materialistische
Weltbild zeitgenössischer Physik,
wonach das Universum auf der
niedrigsten Ebene aus toter,
kompakter, zufallsgesteuerter
Materie besteht, welche sich nach
bestimmten „Naturgesetzen“ ewig
gleich zusammenfügt, um auf einer
höheren Ebene dann Lebensprozesse
und Bewusstsein „entstehen“ zu
lassen, dieses naive Weltbild fällt
vor unser aller Augen auseinander.
Alternative Erklärungsmodelle
(Kosmologien) hatte die Menschheit
immer schon parat, tatsächlich sogar
wesentlich ältere als der heute noch
in den offiziellen „Bildungs-
einrichtungen“ indoktrinierte
Materialismus der uns hier nicht
weiterführt.
Speziell der Holismus, der eher eine
Philosophie als eine kosmologische
Hypothese darstellt, rückt neuerdings
in den Fokus des Interesses.
Der Holismus (griechisch „ganz“)
ist zu begreifen als ein uraltes, und
doch modernes Denkmodell. Die
Ganzheitslehre. Sie vertritt den
erkenntnistheoretischen Standpunkt,
dass das Ganze mehr ist - als nur die
Summe seiner Teile. Ansätze zu
einem holistischen Weltbild finden
sich ziemlich früh bei Aristoteles,
Pythagoras, später auch bei Leibnitz
und Hegel. 1926 formulierte
Jan Christaan Smuts eine umfassende,
naturalistische Holismus-Theorie.
•
Im Holismus geht man davon aus,
dass die einzelnen Elemente, in die
sich ein System gliedert, das als„Ganzheit“ oder „Gestalt“ aufgefasst
werden kann, durch die inneren
Strukturen und Synergien vollständig
bestimmt sind. Dass ein System als
Ganzes funktioniert, trotzdem dies oft
nicht vollständig aus dem Zusammen-
wirken aller seiner Einzelteile
verstanden werden kann. Atome
verbinden sich zu Molekülen die
völlig neue Eigenschaften besitzen.
(Wer hätte je gedacht, dass sich zwei Gase
zu einer Flüssigkeit verbinden können,
welche dann als Wasser bezeichnet wird).
Die holistische Betrachtungsweise
steht damit im diametralen Gegensatz
zu dem, in den Naturwissenschaften
landläufig vertretenen Atomismus
bzw. Reduktionismus, der das
zusammengesetzte System als
Ergebnis seiner Elemente und ihrer
mechanischen Eigenschaften zu
beschreiben versucht.
Das Hauptargument gegen den
Reduktionismus ist dabei häufig das
Phänomen der „Emergenz“, d.h. der
nicht vollständigen Erklärbarkeit des
Ganzen aus seinen einzelnen Teilen.
•
Smuts baute seine Theorie des
modernen Holismus auf der Grund-
lage des Gedankens einer
schöpferischen Evolution auf.
(Die Ansicht, dass man, ähnlich wie beim
eigenen Körper, bei dem sich in jeder
einzelnen Zelle der gesamte Bauplan (DNS)
des Körpers befindet, auch in jedem Teil
des Universums die Struktur des Ganzen
vorhanden ist).
Der Kosmos als Organismus ?
So versuchte er eine Synthese von
Wissenschaft und Philosophie zu
erreichen, indem er postulierte, dass
zur Erklärung jeglicher Evolution
beides nötig ist, zuerst die Strukturen
(Gegenstand der Wissenschaft)
und zum anderen die Prinzipien
(Gegenstand der Philosophie).
Materie und Leben beide bestehen
aus Teilstrukturen, deren Anordnung
zu natürlichen Ganzen führt. Diese
Teilstrukturen sind ebenso jeweils einGanzes. Ob es sich um ein Atom, ein
Molekül, eine chemische Verbindung
Pflanzen, Tiere oder Staaten handelt,
alles ist jeweils ein Ganzes.
Konglomerate daraus lassen ein
neues Ganzes entstehen. Mit neuen
Funktionen und Fähigkeiten.
Dieser kreative Holismus ist die
treibende Kraft der Evolution,
ihre vera causa.
Aktuell sind einige Aspekte der
Quantendynamik nur durch
holistische Ansätze erklärbar.
Neutronen und Elektronen kreisen
um den Atomkern wie Planeten um
die Sonne. Zufall?
Oder ist das Universum nach immer
den gleichen, bewährten Mustern
aufgebaut? Struktur/Synergie/Selbst-
organisation liegt z.B. vor, wenn sich
Kristalle bilden, immer zu den
gleichen Mustern, ein Strudel über
dem Abfluss der Badewanne entsteht
oder sich Sechsecke auf der
Oberfläche eines Haferbreis bilden,
der nicht umgerührt wurde. Die
runden Köpfe von Bienen erschaffen
sechseckige Waben -
(die Art und Weise, wie Pflanzen wachsen,
Berge erodieren oder Flüsse fließen, die
Art und Weise in der Schneeflocken oder
Inseln ihre Form annehmen, wie Licht auf
einer Oberfläche spielt.
- Formen, die wir für zufällig halten, sind
in Wirklichkeit das Ergebnis komplizierter,
sich verändernder Zahlenstrukturen, die
einfachen Regeln gehorchen.)
•Zitat Douglas Adams -
• dies geschieht alles ohne Planung
und Einsicht. Prozesse beginnen und
enden nicht, vielmehr verwandeln sie
etwas in etwas anderes.
(Erstaunlich inwieweit der Holismus in
vielen Bereichen mit dem Buddhismus
korrespondiert)
•Fortsetzung folgt
Emil
